Samstag, 29. Dezember 2018

Mäxchen bloggt: Von Topmodels und Feinstaubalarm!

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Jahresrückblickes. Ich bin's mal wieder, euer Mäxchen!

Tja, was soll man sagen. Ein Jahr geht zuende, und das war wirklich ein kurioses. Gefühlt hatten wir 7 Monate totalen Sommer, leider hat nach ein paar Wochen das leckere Weidegras aufgehört, grün und lecker zu sein und verwandelte sich in zähes, braunes Gestrüpp. Sozusagen eine Laune der Natur, oder von den Horseweight-Watchers, denn der GroßeTollpatsch hatte nach einer Weile fast ein Ticket für Germanys Next Topmodel in der Satteltasche. Der hatte es mit der Bikinifigur fast übertrieben und dazu immer das Gemecker "nee, ich mag jetzt kein Heu, wir haben August! Da frisst man kein Heu, da gibt's noch Weide! Püh!" Bis der Klimawandel auch mal im Araberschädel von Romi angekommen ist, das kann noch ein wenig dauern. So schnell ist der ja nicht im Oberstübchen.Aber Hauptsache, er hat wieder sein altes Sattelgurtloch als Bauchumfang, dank den Appetizern der Futtermittelindustrie hat er seinen großpferdtypisches Gewicht zurückerlangt. in Glück, ich hab mir ja schon so ein bißchen Sorgen gemacht... Aber, mal ganz ehrlich, SOLCHE Probleme habe ich als Shetty nicht. Wir sind ja extrem anpassungs- und widerstandsfähig und so schnell fällt ein Pony ja sowieso nicht vom Fleisch. Das Verwöhnprogramm, was Romi genossen hat, hätte ich auch gerne! Aber dann hätte mir mein Fell wohl nicht mehr gepasst...

Aber jetzt ist Dezember, die Weihnachtstage liegen hinter uns und die der Silvesterknallerei vor uns. Denn das ist ja hier auf dem Lande leider nicht auf einen Abend beschränkt, nein: Sobald die Läden das doofe Zeug verkaufen, haben die Männer und die Jungs nix anderes mehr im Kopf als diese Feinstaubraketen. Nicht nur, dass das plötzlich knallt und am Himmel grell leuchtet, nein, das stinkt auch gewaltig und ja, wir Tiere bekommen dann Angst. Es könnte ja auch was Schlimmes sein, denkt nur an die Theorie, warum die Dinosaurier wahrscheinlich ausgestorben sind! Die haben wohl auch nur gedacht, es sei Silvester und bei Aldilidlpenny verkaufen sie die Chinakracher wieder zum halben Preis und dann: BUMM - alles platt. Diese Urangst ist in uns immer noch tief verankert und auch Lucy, die Stallkatze und Carlos, der brave Golden Retriever, verkriechen sich zitternd und hechelnd unter einem Stapel Pferdedecken.Auch die Rindviecher, die ja eigentlich um einiges gelassener sind als wir Equiden, finden Feuerwerk nur so mittelgut und verziehen sich lamentierend in den Stall. Der Geruch nach Verbranntem tut das Seinige dazu! Mal sehen, wie das dieses Jahr wird. Bis jetzt hat es nur drei-viermal ein wenig gerummst...

Ich wünsch euch allen einen guten Rutsch in ein pferdiges 2019 und man liest sich! Bleibt gesund und munter!

Euer Mäxchen (Therapeut für Knalltraumata im Praktikum) ;-)

Samstag, 8. Dezember 2018

Behördenirrsinn am Wohnort - ein Protokoll!

Dies ist eine wahre Geschichte, die sich tatsächlich hier bei uns gerade so ereignet. Ich versuche mal, mich nicht allzusehr von Emotionen leiten zu lassen, aber das ist schon schwierig, weil es mich wirklich nervt. Aber von vorne.

Schon, seit ich hier wohne - seit ca. 13 Jahren - war die Jagd nach einem Parkplatz für einen PKW ein Glücksspielchen. Weil hier im historischen Ortskern relativ viel Tourismus herrscht, angeheizt natürlich von entsprechenden Institutionen, kann man nie wirklich sicher sein, dass das Auto nach einer Fahrt wieder in Rufweite der Wohnung abgestellt werden kann. Die offiziellen Parkplätze sind natürlich nicht umsonst, deshalb wird unsere Anliegerstraße gerne mal als Ausweichquartier für Autos aus ganz Deutschland und auch den Niederlanden genutzt, sehr zum Pläsier der Anwohner, natürlich.
Aber damit ist ja jetzt erstmal Schluss.
Schön, sollte man meinen, aber: Die Stadt malträtiert ihre Bewohner momentan mit immer neuen Parkverbotsschildern. Gestern wechselte man sogar 2x am selben Tag die Beschilderung...

Nun, es fing ganz harmlos an. Es gibt eine Mauer auf der einen Straßenseite mit bis zu 5 Parkmöglichkeiten (bei entsprechender Fähigkeit, seinen Wagen zu plazieren) und auf der anderen Seite einen Parkplatz. Eines schönen Tages tauchten an der Mauer Parkverbotsschilder auf mit dem Zusatz "15.11.2018 von 7 bis 12 Uhr". Ok, dachte ich, da bin ich ja sowieso unterwegs, stört mich nicht weiter.
Als ich nachmittags von der Arbeit zurückkehrte, standen die Schilder immer noch da, diesmal mit dem Zusatz "Werktags von 7 - 17 Uhr". Oha. Das ist natürlich schon schwieriger, denn meistens bin ich mittags daheim, mache eine Pause und fahre nachmittags nochmal los. Wohin jetzt mit dem Auto für die 2 Stunden?
Glücklicherweise bot eine Nachbarin, die eine Gastronomie betreibt, mir ein Plätzchen über Mittag auf ihrem Gästeparkplatz an, den ich dankend annahm. So weit, so gut. Gegen 18:00 Uhr stellte ich mein Auto dann wieder auf seinen gewohnten Platz an der Mauer ab, damit sie für ihre Gäste genug Parkfläche hat.
Auf Anfrage einer Nachbarin bei der Stadt mit Nachfrage nach der Dauer dieses Spielchens hieß es übrigens lapidar "Es dauert solange, wie es dauert." Nun, das kann man so ausdrücken, muss man aber nicht. Kein Mensch hier in der Straße weiss so genau, was das soll. Angeblich sollen Baustellenfahrzeuge hier ungestört durchfahren und durch ihre Überbreite keine Blockaden vorfinden, aber ... das tun sie nicht. Seit Mitte November sind hier genau 2 Fahrzeuge dieser Art durchgefahren und hätten auch ohne Parkverbot genügend Platz gehabt. Nunja, müssen sie selber wissen. Fans gewinnt man auf diese Art und Weise sicherlich nicht!
Überhaupt: Sie sperren die 5 Plätze an der Mauer und lassen den einen auf der anderen Straßenseite offen. Umgekehrt wäre es bestimmt cleverer gewesen und hätte nich soviel Unmut erzeugt...
Gestern erblickte ich erfreut, dass die Parkverbotsschilder mit orangenen Streifen durchge-X-t waren und stellte mein Auto an seinen Stammplatz. Man muss dazu sagen, dass an diesem und am nächsten Wochenende hier der Adventsmarkt stattfindet. Also: Wieder Touri-Alaaarm! Heisst normalerweise auch: Erledige früh morgens, was zu erledigen ist und ansonsten lass dein Auto stehen, sonst ist dein Parkplatz weg. Normalerweise auch ein Unding, seit Monaten versuchen wir übrigens, Anwohnerparkflächen zu beantragen, mit mäßigem Erfolg, nämlich gar keinem. Nervt auch, aber so ist es beinahe unerträglich.
Denn: Seit gestern abend sind die Parkflächen wieder komplett gesperrt, mit Androhung von Knöllchen und Abschleppung. Auch eine Art, mit seinen Bürgern umzugehen! So habe ich mein Auto jetzt wieder auf den Gästeparkplatz gequetscht, mal sehen, wie die Posse weitergeht. Ich werde berichten!
P.S.: Gerüchtehalber - denn was Genaues weiss man ja nicht! - soll diese Schikane noch bin mindestens Ende Januar, eher Ende Februar dauern. Und ich habe schon ein paar Anzeigen auf dem Wohnungsmarkt studiert....

Montag, 3. Dezember 2018

Adventszeit - was stimmt denn damit nicht?

Hallo, liebe Vorweihnachtswichtel und jene, die diese Zeit des Jahres mit seltsamen Bräuchen und Ritualen begehen. Es ist wieder so weit: Viele Menschen legen gerade wieder so richtig los mit blinkenden Lichterketten innen und außen, knorzigen rotbemantelten weißbärtigen Männchen, bunten Glas- oder Plastikkugeln und natürlich der obligatorischen Hatz auf das ideale Weihnachtsgeschenk!

Da ist es kein Wunder, dass auch die Macher der allseits unbeliebten Werbeindustrie auf dieses Jahresendzeitsthema eingehen und sich geradezu überschlagen mit kitschiger Reklame, nervigem Glöckchengebimmel, großen überraschten Kinderaugen und möglichst viel Kunstschnee.
Und natürlich der ebenso intensiven Jagd nach Sonderangeboten im Nahrungsmittelbereich. Seit einem gefühlten halben Jahr liegen in den Supermärkten und Discountern nun schon Lebkuchen, Zimtsterne, Dominosteine, Spekulatius und Dominosteine.
Und diese heimelig wirkenden Adventskalender, die uns die Wartezeit auf das Fest der Liebe verkürzen und versüßen sollen.
Diese Dinger sind in den letzten Jahren allerdings ganz schön eskaliert, oder? Wann sonst bezahlt man für ein paar hundert Gramm meist durchschnittlicher Schoki so um die 8 Euro? Nur weil ein bißchen Pappe und das in letzter Zeit durch die Verschmutzung der Weltmeere in die Kritik geratene Plastik drum herum verpackt wurden?
Oh, damit ist es ja noch nicht genug: Einst für Kinder gedacht, eskaliert der moderne Adventskalender mittlerweile in Form von  echten Kuriositäten, angefangen bei 24 verschiedenen Gewürzen über Teesorten, Kosmetikartikeln und - oh Sünde - auch Erwachsenenspielzeug für die ganz Verruchten....
 Jeden Tag eine kleine Freude, bis am 24. Dezember die große Überraschung blüht: Entweder ein leeres Girokonto oder ein voller Mülleimer oder ein paar Pfund zuviel auf den Hüften. Oder alles zusammen, in variabler Reihenfolge. Und während Santa Claus oder welches Fabelwesen auch immer mit Bergen von Geschenken von Schornstein zu Schornstein zieht, macht etwas später etwas weiter unten die örtliche Müllbeseitigung möglichst im gleichen Tempo die Runde.
Aber soweit sind wir ja noch lange nicht. Erstmal müssen noch 21 Türchen geöffnet werden!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine ruhige und besinnliche Adventszeit, und denke dabei mit Magengrummeln an die ansteigende Hektik in den Einzelhandelsgeschäften und im Straßenverkehr, auf den Parkplätzen und den Shopping Malls im Land.
Und denke mir einmal mehr, ob das wirklich der Sinn der Weihnacht sein kann, wenn sich völlig fremde Menschen wegen einem vermeintlichen Schnäppchen am Black Friday beschimpfen, sich gegenseitig Beulen in die Autos fahren wegen einem nach an der Supermarkttüre gelegenen Parkplatzes und auf der Jagd nach dem absoluten Superleckerlie zum Weihnachtsmenü Senioren an der Kasse verwünschen, weil sie ein bißchen zu lange nach Kleingeld kramen.
Weihnachten ist das Fest der Liebe, und ich für meinen Teil bin schon reich beschenkt, wenn ich diese Tage mit Leuten und Tieren verbringen darf, die ich mag und schätze und dabei auch noch gesund bleibe. Denn es gibt kaum etwas Wertvolleres. Da kann kein brandneues Smartphone oder eine Playstation/XBox/Whatever mithalten.
Weihnachten und die Zeit davor und danach ist das, was man selber draus macht.

Wichtelige Grüße vom
Copinchen!

Mittwoch, 7. November 2018

Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns wieder 20 Grad!

Wer kennt ihn nicht, diesen Advents-Gassenhauer aus dem frühen 20. Jahrhundert. Von einer großen Freude ist die Rede, von schneebeglänzten Feldern, von unterm Eise ruhenden Bächlein sogar! Ein Idyll, wie es bis dato durchaus vorstellbar ist.
Der Herbst ist die Jahreszeit, in dem wir uns auf die kalte Jahreszeit vorbereiten, und die Mehrheit von uns hier in Europa auch auf das Fest der Weihnacht, wie in unzähligen Liedern und Geschichten beschrieben wird.
Klassische Lebkuchenhäuschen, zu diesem Anlass gebacken (Moment mal, ist Jesus eigentlich in einem solchen zur Welt gekommen? Waren das nicht eher Hänsel und Gretel, in deren Mär ein solches Bauwerk eine wichtige Rolle spielt?) sind mit dickem weißen Zuckerguß übertüncht, der wohl "Schnee" darstellen soll und das Winterwonderland mit viel Glitzer und eisig kalten Landschaften wird auch gern mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Meist liegen dort ja auch noch etliche liebevoll verpackte Geschenke herum. Ist das Winterwonderland etwa der Vorgänger von Amazon und Co., möchte man sich da fragen?

Anyway, wir haben die erste Novemberwoche hier im Münsterland nicht unbedingt mit Schal und Mütze verbracht. Verglichen mit dem Jahr 2006, wo wir regelrecht eingeschneit waren um diese Zeit und einige Stunden, woanders gar Tage ohne Stromversorgung waren und das Ganze in einem langen, harten Winter mit vielen Minusgraden und unfassbaren Schneebergen mündete, bin ich mit dieser Version von "November" natürlich sehr zufrieden. Obwohl das mulmige Gefühl, dass da ja irgendwas mit dem Wetter nicht stimmen kann, sich immer öfter meldet... 
Gestern und heute haben wir knapp 20 Grad erreicht. Die winterbepelzten Tiere im Wald und in den Stallungen sind mehr als verwirrt. Meine Tomatenernte endete heute mit 11 reifen gelben Früchten und noch etlichen grünen, und es waren immer noch Blüten dran. Unfassbare 137 Tomaten haben mir die beiden Pflanzen gebracht, fast soviele, wie es in 2018 ungewöhnlicherweise Sonnentage im Münsterland gab. Sogar die Ferien in NRW waren sonnig (ok, die 2. Woche Herbstferien nicht durchgängig).
Gestern sah ich einige Wiesen, die noch einmal gemäht worden sind, um der nahenden Futterknappheit etwas entgegenzuwirken. Die Wiesen und Felder sind momentan grüner als im Juli/August, wo die Dürre alles braun und furztrocken werden ließ. Der Duft von frisch gemähten Gras in der früh dunkel werdenden Nachmittagsluft, das habe ich so auch noch nicht erlebt.
 
Um nochmal zum Eingangssatz zurück zu kommen: Eine Rückkehr des Winterwonderlandes ist natürlich beinahe jederzeit möglich! Falls sich der Trend zum subtropischen Breitengrad aber in Mitteleuropa weiter fortsetzt, sollten Songs wie "White Christmas" allerdings wirklich mal ein Update bekommen...





Sonntag, 14. Oktober 2018

Somm(Oktob)er - endless summer mitten im Herbst!

Fragt ihr euch auch, was mit dem Wetter passiert ist?
Wir haben bereits Mitte Oktober und die Sonne scheint und scheint und in einigen Teilen des Landes ist immer noch Freibadsaison. Clever, denn wer von uns hat schon mal in Deutschland um diese Jahreszeit nochmal 'nen Köpper vom Dreimeterbrett gemacht? Ich für meinen Teil nicht (aber auch ansonsten eher nicht...)!
Die Tageshelligkeit hat zwar im Vergleich zu Mitte Juni schon ordentlich Federn gelassen, aber bis zum Einbruch der Dunkelheit kann man sich noch schön in die Sonne legen und die Sommerbräune erhalten. Blumen blühen noch ordentlich und meine beiden Tomatenpflanzen tragen immer noch ordentlich "California Sun", es hängen noch mehr als 35 Stück am Strauch. So eine Ernte hatte ich in meiner langen Tomatenzüchtertradition noch nie, normalerweise wären die Pflanzen längt "plattgemacht" und im Gartenabfall. Aber so kann ich täglich ungefähr 5-7 Tomaten ernten und habe längst angefangen, sie in einfrierbare Suppen und Saucen zu verwandeln, übrigens unschlagbar im Geschmack im Vergleich zu industriell hergestellten Produkten! So lässt sich dieser unfassbare Sommer noch bis weit ins neue Jahr konservieren.

Längst schon stehen auch etliche Weihnachtsartikel in den Geschäften, aber ist es nicht irgendwie seltsam, in Shorts und T-Shirt Schokonikoläuse, Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln zu futtern? Es fühlt sich wirklich nicht unbedingt gewöhnlich an und so entwickeln sich die Jahresendleckereien wohl vorläufig zu Ladenhütern. Und mal ehrlich, wer hat denn schon Winterreifen auf sein Auto gezogen? Bei 27° Celsius fühlen die sich auf dem aufgeheizten Asphalt  auch nicht besonders wohl. 

Goldener Oktober!


Während wir diesen "endless Summer" weiterhin genießen, leidet jedoch die Natur, denn: Es regnet kaum. Oder gar nicht, so wie hier im nördlichen Münsterland. Die Trockenheit der vergangenen Monate schlägt alle Rekorde! Mit der Heuernte war es nicht so weit her, nach dem 1. Schnitt Ende Mai/Anfang Juni sind die Futterpflanzen nur sehr zögerlich oder gar nicht nachgewachsen. Normal sind in dieser Region 2 oder sogar 3 Grasschnitte zur Heuernte. Für Pferde- und Nutzviehbesitzer wird das ein ganz kostspieliger Winter, denn der Preis für gutes Pferdeheu schießt genauso in die Höhe wie die Pilze.
Pilze? Oh, ein schlechter Vergleich! Denn während meiner sonntäglichen Walkingrunde durch den Wald sind mir - im Gegensatz zu den vergangenen Jahren - kaum Champignons, Fliegenpilze und Co. begegnet! Dafür jede Menge raschelndes, buntes Herbstlaub auf hartem, trockenen Boden. Restfeuchtigkeit in den Zonen, wo kaum die Sonne hinscheint? So gut wie Fehlanzeige. Das vermittelt schon ein mulmiges Gefühl. Was ist - so schön es auch sein mag - am Wetter kaputt gegangen? Werden sich Regenschirme, Gummistiefel u.ä. weiter so schlecht verkaufen lassen wie im Sommer dieses Jahres 2018?

Wie malt der Herbst ein leuchtendes Bild...


Abschied vom Sommer stimmt uns so mild..

Ist das der Klimawandel? Oder ist das einfach nur eine Dürreperiode? Werden hier demnächst Zitronenbäume wachsen, oder versteppt alles einfach nur? Wie geht das weiter?
Ich habe schon sehr viele Sommer erlebt, aber ich kann mich an keinen erinnern, in dem es so wenig Niederschlag gab wie in diesem. Als ob jemand den Haupthahn abgedreht hätte!
In der Wetter-App, die zu 95% richtig liegt, war für heute Abend Regen angekündigt. Seit ein paar Stunden ist dieser Niederschlag aber erst auf Dienstag und aktuell auf Donnerstag vertagt worden. Hmm.



Der Mais musste bereits Anfang September "notgeerntet" werden, statt wie sonst um diese Zeit...

Was hält der Wetterfrosch noch für Überraschungen für uns bereit? Weil wir es nicht beeinflussen können, bleibt nur abwarten. Und weiterhin Eis(tee) statt Glühwein trinken.
Der Weinjahrgang 2018 soll allerdings ein ganz hervorragender sein, ersten Prognosen zufolge... ;-)

Samstag, 29. September 2018

Mäxchen bloggt: Fly on the Wings of Love Vol.II

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Flirts über den Koppelzaun! Ich bin's wieder, euer Mäxchen. Und ihr brennt sicherlich schon darauf, zu erfahren, wie die Lovestory des Jahres mit Romeo und Julia weiter gegangen ist! Und darüber werde ich heute berichten. Es war wirklich herzallerliebst, wie der Große Tollpatsch auf den Flügeln der Liebe über die Koppel schwebte! Alle seine Wehwehchen schienen der Vergangenheit anzugehören und jeder Showtraber hätte neben ihm wie ein müder Ackergaul nach einem harten Tag auf dem Feld ausgesehen.

Julia machte ihm aber auch immer wieder gehörig Dampf. Sie stand ganz dicht am Koppelzaun, ließ sich mit Komplimenten überhäufen und genoss die Aufmerksamkeit des doch ganz ansehnlichen Kavaliers in Rot. Der fand gar keine Zeit zum Grasen  - der Trottel, sag ich nur. Nach dem dürren Sommer endlich mal wieder auf einer saftiggrünen Wiese sein zu dürfen, war fast wie eine Riesenpizza auf dem Teller der Zweibeiner nach einer siebenwöchigen Diät mit Dünstgemüse ohne Salz. Aber nun ja, muss er selber wissen!

Just nachdem diese Romanze richtig ins Rollen gekommen war, da tauchte doch plötzlich Romis Reiterin mit einem Beutel voller Möhren für uns auf, wie üblich. Jetzt könnte es spannend werden, dachte ich bei mir. Vielleicht kann ich kleiner Wicht ja auch mal an der Julia schnuppern, wenn Romi sein Tollpatsch-Training absolviert? Ich bin ja auch kein Stück Holz und dieser Duft von der Dame...hmmm... vielleicht geht da ja was?

Die Reiterin erschien auf der Bildfläche, mitsamt Möhren. Normalerweise bin ich immer der Erste, der angelaufen kommt und auch gleich was Leckeres bekommt. Ihr wisst ja, dass ich ein unwiderstehlich süßes kleines schwarzes Shetty mit Knopfaugen und Wuschelmähne bin? Normalerweise bekommen die immer zuerst was, wegen dem  Niedlichkeitsfaktor!
Und wenn Romi das dann mitkriegt, dann ist er aber ruckzuck an der Möhrenquelle, bevor ich seine Möhre auch noch wegnasche. Da kann er sogar richtig schnell werden, der Große! Aber so charmant wie ich wird er wohl niemals werden. Ich glaube, ich bagger die Kleene auch mal an, dachte ich so bei mir, während ich schon ein Möhrchen kaute. Aber der Große reagierte gar nicht auf die Reiterin. ER hatte nur Augen für seine Angebetete. Da konnten noch so sehr mit Möhrchen gefuchtelt werden!

Die Reiterin ging forschen Schrittes mit vorgehaltener Möhre auf Romi zu, und weil das bekannterweise eine Allzweckwaffe ist, ließ Romi sich davon doch noch ködern, steckte sein Köpfchen ins dargebotene Halfter und ließ sich hocherhobenen Kopfes und Schweifes mitnehmen! Nun winkte meine Chance. Warum soll ich im Stall auf sein Trainingsende warten, wenn ich doch hier quasi das Paradies auf Erden habe, mitsamt charmanter Gesellschaft? Gleich mal abchecken, ob sie auf interessante dunkle Typen mit Wuschelmähne und Plüschöhrchen steht!
Oha. Romi war noch nicht ganz um die Ecke und konnte noch beobachten, wie ich mich der ihm traurig hinterherblubbernden Stute näherte. Ruckartig blieb er stehen, viel höher konnte er seinen Kopf und seinen Araberschweif nicht mehr heben, und ließ einen Brüller los, der der Reiterin auch einen Hörsturz bescheren könnte. Und nun?
Ich sah, wie er um seine Liebe kämpfte, und zwar gegen seine Reiterin und ihrem Führstrick. Nun ist so ein Pferd in Furore natürlich eher unhandlich bis unberechenbar und so ließ sie ihn wieder vom Strick, wegen "is nich". Und dann kam er zurück, schneller als Hurrican "Florence", lauter als ein Technofestival, verliebter als der echte Romeo. Uuuuuiiiii, auf seine älteren Tage, Respeekt, Alder! Dabei hatte ich sie bisher nur gefragt, wie es so geht. Ok, noch ein-zwei Minuten mit mir alleine, und sie wäre mir gnadenlos für immer verfallen. Was denn sonst!

Dann fiel mir blitzartig seine Verletzungsanfälligkeit ein. Was, wenn diese eine Liebe wieder mit einem Sehnenschaden oder Schlimmeren endete, und damit auch wieder Stallknast? Bloß nicht, dachte ich und lief zur Reiterin. Eine weitere Möhre und ich ging brav mit zum Stall.
Nach weiteren 10 Minuten, die ich zwar nicht sehen, aber hören konnte, war der Tollpatsch auch endlich am Halfter auf der Gasse angebunden. Mit großen, rotgeränderten Augen, blutfarbenen Nüstern und immer noch nach Julia brüllend. Fast tat er mir sogar ein bißchen leid in diesem Zustand, ein Romeo auf Freiersfüßen!
Während seines Trainings absolvierte er seine Aufgaben brav, aber doch ein wenig eiliger als sonst, um nur ja schnell wieder zurück auf die Koppel rennen zu dürfen, und dort weiterzuschäkern. Die Rindviecher schauten sich das ganze Drama übrigens aus sicherer Entfernung von dort aus an, wo das leckere Grün am Höchsten stand. Diese Nutznießer, diese. Aber nicht schlecht gestaunt haben die, wozu ihr Chef so alles fähig ist! :-)

Als das Training zuende und Romi wieder abgesattelt war, fraßen wir schnell unsere Belohnungsmöhrchen und ließen sogar noch etwas für die gehörnte Fraktion übrig. Ein Novum, eigentlich! Aber diese Lovestory war einfach nur zu spannend und so nahmen wir beide die Beine in die .. ja, Hufe, ne? und machten uns so schnell wie möglich wieder zurück zum Ort der Liebe. Romis Schrei zur Wiederaufnahme der Beziehung war übrigens episch und hätte manch gestandenen Herdenhengst vor Neid zum Schimmel werden lassen können. Unfassbar, dieser Romi in love!
Aber - wie auch die Originalgeschichte - endete dieser Samstagsflirt eher tragisch. Fragt nicht, warum und wieso, aber "Julia" war inzwischen wieder in ihren Stall geholt worden und an ihrer Stelle standen nun 2 Wallache auf ihrer Seite des Koppelzauns...
Diese sahen den wild auf sie zugaloppierenden Rotfuchs mit schreckgeweiteten Augen sekundenlang an an, um ihrerseits die Flucht zum anderen Ende ihrer Koppel anzutreten. Wenig später standen sie zitternd am Weideausgang, um von ihren Zweibeinern ganz schnell abgeholt zu werden. Zitternd vor Aufregung stand Romi an der Stelle, wo vor einer guten Stunde noch die schöne Julia graste.
"Romi, alter Junge. Die Liebe ist ein scheues Reh", versuchte ich ihn zu trösten.
"Sie war so ... schön!" seufzte er. "Und sie fand mich nett."
Mir brach es beinahe mein kleines Shettyherz, ihn so zu sehen.
"Komm, mein Freund. Hier hinten wächst ganz viel Gras, lass uns erstmal was futtern."
Seufzend schloss der Große Tollpatsch sich mir an und wich mir in den folgenden Stunden nicht von der Seite. Aber seid gewiss, nur EIN blöder Spruch von den Rindviechern und es hätte Rinderfilet zum Abendbrot gegeben!
Bis zum Abend hatte Romi sich wieder einigermaßen beruhigt und sein  gewiehertes "Ich hab's aber immer noch drauf, hihihihihiiii!" schallte noch eine Zeitlang durch den kleinen Ort, irgendwo im Münsterland. ;-)

Es grüsst euch
euer Mäxchen (wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen)! :-)

Freitag, 14. September 2018

Mäxchen bloggt: Fly on the Wings of Love! Vol. I

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Flirts jenseits der Teenie-Altersgrenze! Ich bin's wieder, euer Mäxchen!

Und erstmal habe ich eine Frage an euch: Wart ihr schon mal so richtig verknallt? So richtig, meine ich, mit komplettem Aussetzen der Hirnleistung? Und das von jetzt auf gleich?

Dann wisst ihr, was der arme Romi neulich durchgemacht hat. DAS war eine Show, ich sag es euch! Da wurde der arme Große Tollpatsch fast noch einen Ticken tollpatschiger. LOL!
Ich hab mir das natürlich gaaanz genüßlich zu Gemüt geführt. Romi in love ist einfach der Knaller, da kommt keine Seifenoper mit und selbst das dramatische Ableben von Papa Beimer ist dagegen ein Mückenschiß!

Oh, wer die glückliche Julia ist, wollt ihr natürlich jetzt wissen.

Wir leben ja in direkter Nachbarschaft mit einer größeren Pferdehaltung und eine unserer Koppeln grenzt direkt an einer von jenen Nachbarn. Und: Hallelujah! Da stand sie eines schönen Septembermorgens, die supersexy braune Stute von vornehmer Herkunft. Her beauty and the sunlight overthrew him, könnte man da direkt poetisch werden. Die Stute - ich nenne sie der Einfachheit halber weiter Julia, obwohl sie natürlich ganz anders heißt - stand an jenem Morgen da wie ein Gottesgeschenk, und auch noch ganz alleine auf dieser Fläche. Man sagt ihr nach, dass sie aus Altersgründen keine Gesellschaft mehr dulden würde. Julia hat nämlich schon einigen Fohlen das Leben geschenkt und bekommt ihr Gnadenbrot.
Dies lässt natürlich darauf schließen, dass sie keine Fünf mehr ist. Aber Romi ja auch nicht und so war das der Anfang einer großen Love-Story. Und zwar deshalb so bemerkenswert, weil der Fuchs ja nun mal nicht der größte Gigolo auf Erden ist, sondern sich in der seltenen Gegenwart des equinen weiblichen Geschlechts eher.... nennen wir es mal zurückhält. Vielleicht ist das der Einfluss der überwiegend femalen Rindviecher, die er ja nun stündlich an den Backen hat, vielleicht ist es die Tatsache, dass seine Mutter ihn wegbiss... man weiss es nicht so genau! Besonders wenn eine Gruppe junger Stütchen diese Nachbarweide bevölkerte, war Romi immer gerne ganz am anderen Ende der Weide mit Grasmampfen beschäftigt.
Umso seltsamer, dass er - kaum dass er die edle Dame gewahr wurde - gleich mal mit trompetendem Wiehern und fliegenden Fahnen, sprich: Hoher Araberschweif, wehende Mähne! auf sie zugeschwebt ist. Und zwar im schönsten und tollsten Imponiertrab, den jemals ein Pferd ohne zu stolpern aufgeführt hat. Eine wahre Meisterleistung für eine Großen Tollpatsch!

Ihr wisst ja, bei mir schwingt in jedem Nebensatz immer noch die Angst vor einer erneuten Verletzung bei Romi mit. Dieses halbe Jahr wegen dem Sehnenschaden, ausgelöst durch blanken Übermut, war ja wirklich der Horror für mich!

Nun denn, die Holde war dieser Flirtattacke nicht ganz abgeneigt und nur ganz wenig später hob sie schon ihr Schweiflein, um eine gewisse ...hm.. tja...Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Ja, DA war es natürlich um Romi geschehen! Wie der Derwisch schwebte er auf Wolke Sieben und am Koppelzaun entlang, da hätte sich jeder Don Juan aber eine fette Scheibe von abschneiden können! Der Bursche ist ja auch kein Junghengst mehr, im Prinzip also weder "jung" noch "Hengst". Aber das muss sie ja nicht wissen, oder?
Ich weiss nicht, was ihn da geritten hat (seine Reiterin jedenfalls nicht!), dass er da hormonell so drauf ausrastet, aber es schien wirklich so, als ob seine vermutlich sehr platten Anmachsprüche bestens bei der anscheinend sehr gutgläubigen Julia ankamen. Ich mein, hallo? Die mindestens 10fache Mutter verfügt doch wohl über genügend Erfahrung, um einen windigen dahergelaufenen Zirkusarabowestfalen von einem potenziellen weiteren Vater ihrer Leibesfrucht unterscheiden zu können! Zumal der Zirkusarabowestfale seit frühester Jugend den Verlust von edlen Teilen zu beklagen hat! Oder war es wirklich der Schwebetrab, der sie so in Verzückung geraten ließ? Die Sonne, das ungewöhnlich warme Wetter, die leichten Nebelfelder? Keine Ahnung, auf jeden Fall nahm die J'e taime-Nummer weiter ihren Lauf. An Grasen war hier gar nicht zu denken, obwohl diese Weide nach der elenden Dürreperiode wirklich frisch duftete und sogar höher stand als Romis Fesselträger!
Grübelnd, wendete ich mich dem wirklich leckeren Grün zu. Hat diese Liebe eine Zukunft, und wenn ja, was für eine? Erfahrt es im zweiten Teil von "Fly on the Wings of Love", meine lieben Freunde!

Es grüßt euch
euer
hormongeplagtes
Mäxchen!

Sonntag, 26. August 2018

Mäxchen bloggt: All for the girlies, nothing for the boys!

Hallo, liebe Freunde der gepflegten Nachwuchsförderung. Ich bin's mal wieder, euer Mäxchen!

Und groooße Ereignisse werfen bei uns ihre Schatten voraus. Die Söhne des Hauses wollen jetzt reiten lernen und wer ist das Lehrpferd? Nicht etwa das süße schwarze Shetty mit den entzückenden Kulleraugen, sondern unser aller Freund Romi, der Große Tollpatsch!

Der offensichtliche Hintergrund dieser plötzlich aufkeimenden Begeisterung für den Pferdesport bei den Jungs E. (7) und P. (4) ist übrigens der Papa, der seinerseits im Begriff ist, die Kuh Resi zu einer zuverlässigen Partnerin unter dem Sattel.. äh, Sitzkissen mit Bügeln dran zu machen. Erste Reitversuche verliefen positiv und seitdem besteht Resi übrigens darauf, dass man sie siezt, weil sie jetzt den Chef und Futtermeister tragen darf. Na, von mir aus! ;-)

Romi, der ja gern an der Longe mal die Contenance verliert, ist allerdings ein Onkelpferd. Was wir nieee gedacht hätten: Er passt auf die Kinder auf und macht einen ganz vorsichtigen Joggtrab zum Lernen mit ihnen. Und trotzdem ist der kleine P. neulich einmal heruntergeplumpst, weil Romi einen ganz dezenten Satz zur Seite gemacht hat. Was hat die doofe Katze auch in dem Baum neben dem Reitplatz verloren, die olle Zicke! Romi hat aber, wie er es auch bei seiner Reiterin macht, ganz auf unschuldiges Opfer gemacht und den am Boden liegenden Jüngling warm angepustet und da hat er sich wieder draufheben lassen und weiter gemacht. Dieser alte Charmeur!

Im Prinzip bin ich ja echt froh, dass ich unter einem Meter Stockmaß bin, sonst wären die noch auf die Idee gekommen, ICH wäre das ideale Reitpony, zumindest für den 4jährigen. Aber wenn E. auf einem Großpferd reiten lernen darf, ist ein Shetty auch für P. kein Thema. PUUUHHH, ich bin so ein verdammter Glückspilz, Leute! :-)

Was ich aber anprangere, ist die Reitmodenkollektion für angehende männliche Youngsters im Sattel. HALLOOO? Was ist denn da los? Nachdem Resi ja ein schickes Zaumzeug bekommen hatte, zogen Mutter und Söhne also los zum nächsten Reitsportgeschäft, zufällig eine Filiale eines großen deutschen Versandhändlers. Reitklamotten en massé, allerdings - ihr ahnt es schon - überwiegendst für den weiblichen Teil der U10-Sattelquetscher. Nichts, aber auch gar nichts ohne Glitzi und Blinki und Prinzessin Lilifee oder Bibi Blocksberg. Kaum eine Buxe, die nicht mindestens einen fetten pinken Streifen aufweist! Oder wo ein debil grinsendes Einhorn abgebildet ist. Sieht so die Nachwuchsförderung für junge Reiter aus?
Auch kindgerechtes Putzzeg lässt neuerdings den nötigen Ernst vermissen. Für Mädels sicherlich eine prima Sache, aber ich glaube, der Große wäre stinkbeleidigt, wenn er neuerdings mit Bürsten mit Glittereffekt "verschönert" würde. Was es nicht alles gibt! Meine Wenigkeit würde hier allerdings auch streiken, aber wie gesagt, ich bin nur der Chronist der Ereignisse.

Mit Ach und Krach fand man also 2 Hosen, die nicht vor Pink brüllten und einen (1) Kinderreithelm im zeitlos-eleganten Betonmischergrau, den man abwechselnd zu tragen gedachte. Naja, so macht man sich auf Fotos fürs Facebook-Familienalbum wenigstens nicht komplett zum Obst. All for the girls, nothing for the boys, das ist das traurige Fazit dieses Shoppingtrips...

Ich bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt. und Frau Resi bittet darum, im Blog anonym zu bleiben. Vorerst. Innerlich platzt die aber vor Stolz, das einzige reitbare Rindviech im Umkreis von 30 km zu sein, da bin ich mir mehr als sicher! ;-)

Es grüßt euch
euer Mäxchen (neuerdings investigativ in Sachen Nachwuchsförderung unterwegs)!

Dienstag, 7. August 2018

Maxchens Sommerspecial: Bolle auf dem Revoluzzer-Trip!

Tja, liebe Freunde des gepflegten Strandausrittes, unser Bolle war buchstäblich geschockt. Und das bei überaus freundlichen 21°C im Schatten. Aber nützt ja nix: Da muss man durch! ... Oder?

Bolles Besitzerpaar näherte sich unserem Fluchtort. Schon von weitem tönte ihr "Boooollleee! Schätzchen, komm mal schnell her! Booollleeee! Wir haben eine Überraschung für dich! Das wird ganz ganz TOLL! Booolleee!" - "Nun überrumpele den armen Kerl doch nicht gleich wieder so. Du weisst doch, wie sensibel Pferde sind!" fiel er ihr ins Wort. "Da hinten steht er doch und grast friedlich. Da muss man doch nicht so.." - "Als ob DU MEHR AHNUNG VON PFERDEN HÄTTEST ALS ICH!" erwiderte sie unwirsch. "Ich reite schon seit ÜBER 20 JAHREN!" - "Hättest du auch mal 20 Jahre UNTERRICHT genommen, dann wüsstest du auch, wie.." - "BOOOLLLEEE! KOMM HER! LECKERLECKERLECKER!" unterbrach sie ihren Liebsten. Diplomatisch sein konnte sie. Bolle schaute mich und Romi verzweifelt an. "Ihr müüst mir chelfen. Die machen krank mich mit Straiterai!"

Ich stupste den netten Letten an. "Du musst stark sein und dich der Sache stellen.Schau, du bist ein großes, kräftiges Pferd mit Nerven wie Drahtseilen. Romi hätte sich an deiner Stelle schon vor einen Bus geworfen. Du kannst das!" - Romi nickte bekräftigend. "Oh ja. Aber du hast die Power. Zeig ihnen mal, was DU so draufhast! Schluss mit Lustig, ab heute bist du stur wie ein alter Waldesel!"

"Ich glaube, Bolle ist krank, der kommt doch sonst immer, wenn ich Leckerlecker sage. Der hat doch immer Kohldampf!" klagte Bolles Frauchen. "BOLLE HIIIEEER! LECKERLECKER!"

Bolle schien seine Ohren abgestellt zu haben und graste unbeeidruckt weiter. Gut so, Dicker! dachte ich. Die Zermürbungstaktik hat schon so manchen Zweibeiner auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ermutigend nickte ich Bolle zu. "Genau richtig so!"
Bolle knirschte der Sand zwischen den gewaltigen Zähnen, aber sein Kopf blieb unten. Ich glaubte sogar, ihn innerlich grinsen zu sehen.
"SCHATZ, RUF DEN TIERARZT AN! BOLLE IST NICHT IN ORDNUNG! DER KOMMT DOCH SONST IMMER SOFORT AN, WENN ICH LECKERL.."
"Wieso? Liegt er auf der Seite? Schüttelt er sich in Krämpfen? Humpelt oder hustet er? Nein, er sieht mopsfidel aus. Was sollte ich dem Tierarzt denn sagen? Dass er nicht an den Zaun kommt, nur weil meine Frau das wünscht? Der wäre ja nur unterwegs, wenn er deshalb käme." Herrchen sah das weitaus gelassener als seine Frau.
"Vielleicht hat er sein Gehör verloren. BOOOOLLEEEE!" brüllte sie jetzt noch dreimal lauter und wedelte verzweifelt mit den Bioleckerlie in der Hand. "NUN GUCK DOCH MAL, WAS ICH HIER HABE!"

"Sehr gut so, Dicker. Deine Chefin gibt gleich auf, du wirst sehen!" grinste ich in seine Richtung. "Das maacht richtik Spaass!" brummelte Bolle vergnügt zurück.Seine Grasstelle war zwar schon mehr als leergemampft, aber er wollte noch ein bißchen weitermachen. Deshalb entfernte er sich scheinbar grasend immer weiter vom Zaun weg.

"Mir reichts jetzt, ich hole sein Halfter. Und dann kriege ich ihn!" Erbost warf Frauchen die Bioleckerlies in die Koppel und lief zügig zum Stall. Ich meinerseits nutzte die Gunst der Stunde, lief zum Zaun und steckte mir die Leckerlies in die Backentaschen. Nicht ohne Herrchen höchst amüsiert anzugrinsen.
Der erwiderte meinen Blick. "Naa, du kleines Mäxchen? Was habt ihr drei denn wieder ausgeheckt?" Lächelnd versuchte er, mich durch den Zaun zu tätscheln. Aber nicht mit mir. Für derlei Vertraulichkeiten waren wir noch nicht bekannt genug. Ich kehrte zurück zu meiner Mini-Herde, um die Bio-Kräuter-Leckerlies brüderlich zu teilen.
Herrchen beobachtete das. "Na guck, wenigstens unter den Pferden gibt es noch so etwas wie Teamgeist", sinnierte er, während seine Angetraute mit Knotenhalfter und Führleine zurückkehrte. Schnaufend fragte sie "Und? Hat er sich mal herbewegt? HAAH, die LECKERLIES SIND WEG! WO SIND DIE DENN?"
Herrchen müsste eigentlich taub sein, wenn sie immer in dieser Tonlage mit ihm spricht, dachte ich. Und danke für die Leckerlies, sie schmecken wirklich sehr gut!
Das sagte ich aber nicht laut, denn sonst denkt Frauchen noch, ich wäre ein freches, ungezogenes Shetty. Und das bin ich ja nicht, ne?
Ohne Leckerlies, aber mit schnellen Schritten und dem Halfter kletterte Madame nun über den Zaun und näherte sich Bolle. Sofort bekam ihre Stimme wieder dieses schrille Timbre. "Bollebollebolle kommkommkomm!" flötete sie diesmal etwas leiser.
"Auf mein Kommando reisst du den Kopf hoch und rennst ans andere Ende der Koppel, Bolle!" wisperte ich ihm zu. Er nickte unmerklich.
Ich wartete, bis die Dame auf gut einen Meter an ihm dran war und dann wieherte ich mein hellstes Shetty-Alarm-Wiehern. "LAUF BOLLE LAUF!"
Romi rannte aus Sympathie mit ihm mit, aufgestellten Schweifes und mit hoher Nase. Ein herrliches Bild, eigentlich. Wenn man nicht eines von den beiden Angeberpferden einfangen wollen würde!
Prustend stoppten sie - wie abgemacht - am anderen Ende der Koppel. Frauchen trabte mühsam hinterdrein, ich stand und freute mich. Herrchen sah auch amüsiert aus, derweil.
"Wenn ich es nicht besser wissen müsste, würde ich sagen, das Shetty steckt dahinter", konstatierte er.
Na klar, wer denn sonst? :-)
Und wenn ihr lesen wollt, ob Bolle jemals wieder in den Fängen von Frauchen sein wird, dann schaut mal wieder hier vorbei! Es geht bald spannend weiter!

Mittwoch, 1. August 2018

Neulich, am Wassertretbecken...

Im Sommer, gerade in einem wie diesem im Jahr 2018 mit hohen Temperaturen und das über einen längeren Zeitraum, sucht jeder, Mensch und Tier, nach Abkühlung. Besonders nach einer sportlichen Nordic-Walking-Runde tut das besonders gut! Deshalb schätze ich das hiesige Wassertretbecken im Kurpark sehr, das Wasser ist herrlich kühl und der obligatorische Schweissausbruch wird rasch eingedämmt. Danach kann's weitergehen!

Nun, beim letzten Besuch war ich nicht alleine mit dem Gedanken nach Kneippschen Anwendungen. Ich hatte den Verdacht, dass alle, die nicht mehr ins Freibad gepasst hatten, sich jetzt hier versammelten, na klar, Hauptsache Wasser und Kühle! So wohl auch das radelnde Päärchen, dass sich dort anfand: Er, begeistert mit seinem Smartphone im Becken, sie, eher reserviert auf einer der Bänke darauf wartend, dass er endlich genug geplanscht hatte. Ich, die Szene beobachtend und auch schon mitten drin im Wassertretvergnügen.
Langsam leerte sich das Becken, nur das Päärchen blieb noch. Er bestand darauf, dass sie ihr Sommerkleidchen raffte und ebenfalls ins Wasser käme. Allein sie hatte dazu scheinbar wenig Lust.

"Schaaatz, komm doch rein, ich will ein Video machen!" rief er vergnügt.

"Ochnee, das Wasser ist doch so KALT!" zierte sie sich.

"Es ist einfach nur herrlich!" merkte ich ungefragt an.

"Och bitte, jetzt hab dich nicht so. Komm rein!" Langsam wurde er ungeduldig.
Sie fuhr sich durchs gestylte blonde Haar. "Das ist KALT!"

"Herrlich kühl!" warf ich wiederum ein. Er nickte. "Herrlich kühl!" wiederholte er mit gewinnendem Grinsen. Langsam begann ich die Szene zu genießen.
"Ach, was kann ich denn dafür, wenn IHR NIX MEHR MERKT!" zickte sie, raffte ihr kleines schwarzes Sommerkleidchen zusammen und stieg in die Untiefen des Wassertretbeckens. "Und .... action!" dachte ich bei mir, die Handykamera war startbereit.
"Aber ich SICHTE DAS VIDEO ERST; BEVOR DU ES ONLINE STELLST, JA?" Fehlte nur noch, dass sie mit einem Fuss aufstampfte wie ein Kleinkind an der Supermarktkasse. "UND DANACH FAHREN WIR ESSEN! ICH BESTIMME WO!"
Woohoo. So ein Entertainment hatte man nicht jeden Tag im Kurpark. Trotz aller Bemühungen des Touristikzentrums. Was ist dagegen ein Kurkonzert?
Mit gequälter Mine stürzte sich derweil die hübsche Dame in die Wassertretanlagen-Fluten (kniehoch), wich änglich jedem Blatt und erst recht jedem Käferchen aus, als wären es wilde Tiere, die ihr nach dem Leben trachteten. Er filmte amüsiert, ich grinste ebenso und beschloss, die beiden ihrem Schicksal zu überlassen. Und hatte schon meine Schuhe wieder an und wünschte noch einen schönen Sonntag.
Der Mine der Dame zu urteilen, war das auch dringend nötig! :-)

Sonntag, 22. Juli 2018

Mäxchen bloggt ein Sommerspecial: Der freut sich wie Bolle!

Tja, liebe Freunde des gepflegten Überraschungsausflugs, so ist das nun mal im Leben. In einem Moment ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung und im nächsten...;-)
.. und so geht die Geschichte weiter:

Leise, ganz leise, damit Bolle nicht auf uns aufmerksam wurde (der Ahnungslose spielte immer noch mit seinem Birkenknabberast), stupste ich den Großen Tollpatsch an: "Sollen wir es ihm schonend beibringen oder warten wir einfach ab?"
"Nicht jetzt, Mäxchen", antwortete Romi ebenso leise. "Später, im Stall, wenn wir unter uns sind", fügte er mit einem Blick auf die gespitzten Ohren der Stute Rosi hinzu. Rosi war das Informationsmedium in unserer Weidegemeinschaft: Aktueller als eine Onlinezeitung, dramatischer als ein Spielberg-Film und schneller als ein Gepard im Beuteanflug. Rosi eben. Und die hatte wohl Wind von der Neuigkeit bekommen. Warum können Zweibeiner nicht EINMAL unauffälliger agieren!
"HUHUUUU!" schallte es  bereits von der Nachbarweide herüber und Rosi kam betont lässig zum Zaun galoppiert. "Alles gut bei euch Jungs?"
"Jaja, Rosi, alles bestens, bei euch Mädels?" entgegnete ich ebenso lässig.
"HABT IHR SCHON GEHÖÖÖRT?"zwitscherte Rosi aufgeregt."DIE RONJA HAT BEIM TURNIER DEN VORLETZTEN GEMACHT!" Rosi schüttelte sich vor Lachen und wieherte albern. "Den VORLETZTEN! Dabei tut sie immer so gebildet, aber nichtmal eine A-Dressur vernünftig hinkriegen. HIHIHIHIIIHIHI!"
"Ah, äh, naja. Man kann ja nicht immer gewinnen, ne?" zwinkerte ich der eigentlich hübschen Schimmelstute zu. Wenn sie nicht so geschwätzig wäre, wäre sie eigentlich auch eine Julia für Romi. ;-)
Der hingegen war nicht gerade in Flirtlaune, nicht mal zum Tratsch am Koppelzaun aufgelegt. Um nicht am Gespräch teilnehmen zu müssen, tat er so, als hätte er ein leckeres Grasbüschel gefunden und schnoberte über den Boden.
"DU ROOOMIIIII?" flötete Rosi. Sie jedenfalls wäre nicht uninteressiert an einer kleinen Romanze.
"Was meinst du, welche Farbe würde am besten zu meinen Augen passen? Meine Zweibeinerin will mir ein neues Halfter kaufen. Pink? Lindgrün? Oder besser ein Gestreiftes?" Sie klimperte mit ihren wirklich üppigen Wimpern.
Romi brachte nur ein staubtrockenes - was ja kein Wunder war, denn das Gras wuchs noch nicht so recht - "Blau. Nimm einfach blau" hervor. Aufs Flirten verstand er sich prächtig. Aber wer soll es ihm verdenken, an solche Banalitäten zu denken, wenn sein zweitbester Freund Bolle soeben in Gefahr geraten war?
"BLAU IST ABER DOCH EHER WAS FÜR ALTGEWORDENE SPRINGTUSSIS, FINDEST DU NICHT? ICH BRAUCH WAS HIPPES, FRISCHES FÜR MEINEN SPIRIT!"
"Dann geh doch zu NETTO" knirschte Romi. Er, der selber eitel ist bis in die Schweifspitze, hatte dafür nun gerade so gar keinen Sinn. "Komm, Mäxchen. Wir müssen etwas besprechen." murmelte er mir zu und Seite an Seite schritten wir auf Bolle zu, ans andere Ende der Koppel.
"BIS SPÄTER MAAAL, JUNGS! GRÜSST DEN DICKEN BOLLE VON MIIIIR!" rief Rosi hinter uns her. Sie war anscheinend ein bißchen traurig, dass ihre Neuigkeit bei uns nicht auf Begeisterung gestoßen ist, und ihr neues Halfter wohl auch nicht wirklich.
"Bolle, wir sind doch gute Freunde, ne?" eröffnete Romi das Gespräch. Bolle blickte auf, ließ Birkenast Birkenast sein und schluckte. Gespräche, die so eröffnet werden, haben meistens keinen besonders erfreulichen Inhalt.
"Ja, Romi. Bis in den Tod. Wir drei. Romi, Mäxchen und Bolle."
"So nämlich. Wir wollen dir was berichten, was wir eben von deinen Leuten mitbekommen haben. Du musst tapfer sein. Ganz tapfer."
Nur wer Bolle gut kannte, konnte erkennen, wie seine Ohrenspitzen zu zittern begonnen hatten.Verdattert suchte er nach Worten.
"Ist sich einer von ihnen kraank? Oder beide? Lassen sich scheiden und können nicht sich einigen, wer bekoomt Bolle? Oder .. oder soll ich mit ihr zu Tunier? Oh njet, das ist sich gaanz bestimmt, ein Turnier...!"
Bolle stand das Wasser in den Augen und sein Hals begann zu schwitzen. Seine Ohren zitterten nun komplett. Ein Turnier war sein absoluter Horror. Er zeigte sich nicht gern vor vielen Leuten und Pferden.
"Nein, so beruhige dich doch", versuchte ich es ganz vorsichtig. "Es ist .. äh.. etwas völlig anderes und vielleicht wird es sogar ganz lustig."
"GANZ LUSTIG?" Rosi von Gegenüber hatte ihre Ohren überall. "WAS IST GANZ LUSTIG?"
"Oh nein, nicht dass die das jetzt mitbekommt. Los, ab hinter den Baum dahinten, Jungs!"
Im Galopp stoben wir davon, hinter der alten Erle war es windgeschützt, da konnte Rosi lauschen, wie sie wollte.
Und Romi ließ die Katze aus dem Sack, kurz und unvermittelt: "Bolle, du fährst mit deinen Leuten demnächst in den Strandurlaub. Kein Turnier, keine Scheidung, keine Krankheit. Es ist halt nur... Strandurlaub."
Bolle erbleichte unter seinem braunen Fell im Gesicht und seine langen Ohren zitterten nicht mehr, sie hingen jetzt seitwärts hinunter. "Stranduuurlaub" wiederholte er tonlos. "Mit Chäf und Chääfien."
Romi und ich nickten langsam.
"Uund ohne oich."
Wir sahen uns an und nickten wieder.
"Laasst micch allain. Icch muuss denken nach." sagte Bolle mit Grabesstimme. Der freute sich ja nun nicht gerade wie Bolle. Was man aber auch guut kann verstähen.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr in der nächsten Folge. Wird Bolle jetzt durchdrehen? Wird Chääfien durchdrehen? Wird Chääf durchdrehen? Es bleibt spannend! ;-)

Dienstag, 17. Juli 2018

Maxchen bloggt ein Sommer-Special: Wenn einer eine Reise tut... Vol.I

... dann kann er was erleben!
Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sommerurlaubstrips! Heute erzähle ich euch mal eine kleine nette Geschichte aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, wie man einen Reiterurlaub mit dem eigenen Pferd NICHT antreten sollte. Romi und ich hatten uns neulich über das Hängerfahren unterhalten, und da kam die Erinnerung an diese wirklich lebhafte Geschichte in mir wieder hoch!

Aber von vorne: Es geht um einen netten Letten, also ein Schweres Lettisches Warmblut namens Bolle, den wir mal in einem Reitstall kennengelernt haben. Ja, Romi und ich hatten nicht immer das Paradies auf Erden hier in der Mischvieh-WG mit offenen Türen, sondern auch mal ein wirklich extrem langweiliges Jahr in einer "Legebatterie", wie ich solche Reitanlagen seither nenne. Also reine Boxenhaltung mit nur wenig Weide- oder Paddockgang, und mit Glück ein Stündchen Bewegung in einer ollen staubigen Reithalle.
Dort war Bolle der direkte Nachbar von uns - wir teilten uns eine große Box und wurden auch gerne "Die Unzertrennlichen" genannt! Unsere Zweibeinerin hat wirklich alles getan, um uns den vorübergehenden Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, aber Bolle hatte das volle Entertainment-Programm von seinem Besitzerpaar, einer leicht hysterisch anmutenden Mittzwanzigerin und ihrem Mann, einem selbst ernannten Pferdeflüsterer mit Aszendent "Guru". Der geneigte Leser weiss wohl nur zu gut, was ich damit meine!
Obwohl er nicht mal 15 Reitstunden auf dem Buckel hatte, konnte er vom Boden aus jederzeit prima beurteilen, warum das mit dem harmonischen Miteinander von Pferd und meist Reiterin nicht funktionieren konnte. Beide waren gern gesehene Mitglieder im Reitclub, und am gernsten wurde es gesehen, wenn sie die Tür vom Reiterstübchen oder der Halle von außen zumachten. Bolle selbst trug sein Schicksal und seine Reiterin natürlich meist mit Gleichmut und weigerte sich derweil, über die weiteren Auswirkungen seines Daseins als Freizeitpferd mit täglichem Pärchenabenden nachzudenken. Das ist auch besser so, raunte ich Romi so oft in sein fuchsiges Araberöhrchen, wenn Bolle wieder mal Dienst am Menschen in der Reithalle tat. Meist kam er nur mäßig gelaunt wieder zurück in seine "gute Stube", um mit osteuropäischen Akzent über seine Erlebnisse zu berichten.
"Chat sich Frauchen wiedär niecht vor dem Reiten lokchärgemaacht. Mein Rükchen iest nur noch krummes Bräät. Gaanz krummäs Brräät." klagte er oft. Romi und ich nickten mitleidig und gaben ihm einen Teil unserer Heuration, um ihn wieder aufzumuntern. Fressen war seine Lieblingsbeschäftigung, und so wurde aus einem schweren lettischen Warmblüter mit der Zeit ein richtig schweres lettisches Warmblut...
Man sagt im Volksmund, mit den Jahren würden sich Haustier und deren zweibeinige "Besitzer" immer ähnlicher. In diesem speziellen Fall möchte ich mich aber klar von dieser Aussage distanzieren: Bolle hatte zwar auch - ähnlich wie seine Leute - einen leicht erhöhten Body Mass Index, aber charakterlich war er tatsächlich das genaue Gegenteil: Ein angenehm ruhiger Bursche, der auch dem hier und da zur Hibbeligkeit neigenden Romi als Kumpel gut tat und bei unseren zeitlich eher knapp bemessenen Weidezeiten gerne seinen ausgeprägten Widerrist kraulte, was den Großen Tollpatsch immer sichtlich entspannte. Von Bolle lernte ich auch meine Skills als Ein- und Paarhuferpsychotherapeut, denn seine Tipps im Umgang mit dem Menschen waren mehr als Gold wert und von daher schätzte ich ihn sehr als Fachwallach für besonders komplizierte Fälle. Aber was der folgene Frühsommer für ihn auf Lager hatte, das hätten wir alle nicht für möglich gehalten!
Wir sonnten uns gerade im Matschpaddock mit dem Rest vom Winterpelz in der warmen Aprilsonne, als Bolles Frauchen mit der Knallernachricht um die Ecke brauste.
"Bolle, komm ma her! Ja koommm ma heeer! Hier, ich hab ein zuckerfreies Leckerlie aus Biomöhren mit Sojapanade für dich, ganz neu auf dem Markt sind die! Leckerleckerleckerleckerlecker!"
Bolle drehte mit einer geradezu verzweifelten Mine seinen mächtigen Kopf zu uns. Wenn Bolles Frauchen die neuesten Neuheiten aus der Pferdefutterszene im Gepäck hatte, dann gab es eigentlich regelmäßig Grund zur Besorgnis. Da war doch wieder was im Busch!
Mit einem tiefen Seufzer sahen wir auch Herrchen heraneilen. Mit messerscharfem Blick analysierte er die Situation: Bolle schien nicht begeistert von der neuesten Leckerliecréation aus dem Hause "Mühlengold". Sofort ergriff er nicht nur die Initiative, sondern auch das so ziemlich wie ein Häufchen Hühnermist aussehende Superleckerlie.
"Du gehst das völlig falsch an, meine Liebe. Schau, er muss sich doch erst mit dem Geruch des Leckerlies vertraut machen. Das KENNT er ja noch gar nicht!" redete er auf seine Gattin ein.
"Du immer mit deinem Vertraut machen. NATÜRLICH vertraut Bolle mir, Oder glaubst du etwa nicht?" Ihre Augen verengten sich zu hufmesserscharfen Schlitzen, in der ZweibeinerInnen-Körpersprache heisst das: Männeken, lauf, so schnell du kannst. Dieses Gefecht kannst du nicht gewinnen!
Ich stupste Romi an, und er zählte herunter: Drei .... zwei .... eins....ZERO!
"Mit dir KANN man einfach nicht vernünftig reden! IMMER musst du alles in Frage stellen. IMMER!"
"ICH WOLLTE BOLLE NUR DIESES LECKERLIE GEBEN UND NICHT UNSERE EHE AUSDISKUTIEREN! VERDAMMT NOCH MAL!"
Wir glaubten beide, auf Bolles dunkelbraunem Gesicht mit der breiten Blesse und dem langen, lockigen Schopf ein breites Grinsen zu erkennen. Dann drehte er sich um, um mit einem Holzstöckchen zu spielen. Das Leckerlie war bereits vergessen und die Witterung desselben interessierte ihn auch nicht mehr...
Während die beiden Zweibeiner weiter lautstark ihre Beziehung in Frage stellten, kam der Reitlehrer von Bolles Frauchen einherspaziert. "Hallo, ihr beiden. Naaa? Wie gehts? Morgen abend wieder Dressurstunde mit Bolle?" unterbrach er die Streithähne gut gelaunt. Reitlehrer bringen nicht nur ReiterInnen das Reiten bei, sondern sind auch oft gute Psychologen und Paartherapeuten.
"Hallo Alex! Ach, das wollte ich dir noch sagen, morgen abend geht nicht. Da reiten wir mit Bolle aus. Er braucht ein bißchen Kondition für den Strand-Reiterurlaub in 3 Wochen." Sie lächelte ihn voller Vorfreude auf dieses Event an. Moment mal. Dieses Event? Warum hat Bolle uns denn davon noch nichts erzählt? Das haut ja den stärksten Gaul um: Ein Strand-Reiterurlaub mit Bolle in der vierbeinigen Hauptrolle! Da brat mir doch einer 'nen Storch! Romi sah mich an und ich sah Romi an und wir dachten wohl beide dasselbe: Der weiss davon noch gar nix!!!

Und wenn ihr wissen wollt, wie Bolle diese frohe Botschaft verkraftet hat, dann lest beim nächsten Teil wieder fleißig mit! :-)

Bis dahin schöne Sommertage wünscht euch
euer Mäxchen!

Samstag, 30. Juni 2018

Tollpatsch-Training deluxe: Im Dialog mit Romi!

Hallo! Heute gibt's mal wieder einen kleinen Einblick in das Tollpatsch-Training mit Romi und mir. Und zunächst mal ein dickes Kompliment an den Fuchswallach: Er hat sich super erholt von der rätselhaften Erkrankung im März mit temporärer Lahmheit hinten rechts, starker Gewichtsabnahme und dementsprechend mieser Laune. Seit Eröffnung der Weidesaison ging es mit ihm wieder steil bergauf und heute ist er wieder der gewohnt fröhlich-fidele Arabowestfale mit dem Hang zum Größenwahnsinn!
Weil ich seit geraumer Zeit wieder mit ihm ausführlich trainieren kann und er auch immer mehr Kraft entwickelt, spielt die Galopparbeit bei Romi eine Schlüsselrolle. Heute beschreibe ich mal einen typischen Dialog mit ihm während einer Trainingseinheit. Zur Verdeutlichung gebe ich ihm hier mal eine Sprechrolle, natürlich sabbeln wir nicht die ganze Zeit beim Reiten, aber Kommunikation findet ja trotzdem ständig statt. Weil ich die Regel "Wer zieht, verliert" beherzige, reite ich überwiegend gebisslos mit einem Sidepull, an das er sich prima gewöhnt hat und das er genauso akzeptiert wie ein Gebiss im Maul. Das rettet mir hin und wieder den Tag, würde ich mal sagen.
Es ist also ein typischer Samstagmorgen mit Romi-Zeit, wie er heute genauso stattgefunden haben könnte! :-)
Das Außenthermometer zeigt um halb zehn Uhr früh schon 24 ° Celsius an, es befindet sich kein Wölkchen am Himmel bei einer leichten Brise aus Nordost. Leider sind sämtliche Stechbremsen schon hellwach und deshalb steht Romi nicht auf der Weide bei den Daltons (Rindviechern), sondern mit Mäxchen im Stall.
"Hallo Romi! Na, wie siehts aus? Lust auf ein bißchen Training?"
"Hallo Copinchen. Ach, ich weiss nicht. Draußen isses so warm und dann die blöden Bremsen!"
"Ein bißchen was musst du aber tun. Du bekommst im Moment soviel Kraftfutter."
"Na gut, ein halbes Stündchen ist ok. Aber nur, wenn es anschließend Möhren gibt."
"Au ja, Möhren", ruft das Mäxchen im Hintergrund. "Ich will auch welche!" Trippelnd kommt er zur Stalltür getrabt und schaut mich an. Seine schwarzen Äuglein unter dem schwarzen Schopf lassen mich schon wieder dahinschmelzen. "Na klar, es ist genug für euch beide da."
Wenig später sitze ich auf, zunächst versuche ich es nur mit Fliegenspray, doch nach 2 Minuten wird klar: Wir brauchen auch noch die Fliegendecke. Also nochmal runter, Fliegendecke mit Kapuze drauf, alles ordentlich festzurren, wieder aufsitzen. Während der folgenden Schrittphase haben wir einigermaßen Ruhe, aber Romi ist noch nicht so richtig wach. Nach dem ersten Trab wird das schon besser, allmählich fängt der Rücken an, mitzuschwingen. Erstmal vorwärts-abwärts dehnen, nachdem das Grundtempo stimmt: Check. Mit dem Sidepull ist die Anlehnung stabiler und feiner als mit der Trense. Natürlich ist auch hier ein Ohrenmützchen angebracht, nicht, dass sich so ein Fluginsekt in Romis heilige Ohren verirrt!
Nach ein paar Achten, Übergängen Trab-Schritt und Nachgurten fällt für Romi meist der Startschuss zum Reitplatzderby: Es geht an die Galopparbeit! Und spätestens dann ist der Fuchs hellwach, was man auch einem Körperteil hinter mir gut ansehen kann: Dem Schweifbarometer, typischerweise in dieser Phase des Trainings steil aufgerichtet, wie eine stolze Fahne flattert er im Wind. Fühlbar.
Habe ich schon erwähnt, dass Herr Romi wieder ordentlich zu Kräften gekommen und seine Galopparbeit ihm ein heiliges Bedürfnis ist? Mit anderen Worten: Einmal damit losgelegt, ist es eher schwierig, ihn davon abzuhalten, immer und immer wieder neu durchzustarten. Mein Fokus liegt aber jetzt wieder mehr und mehr auf ein ruhiges Tempo, das sich jederzeit ohne viel Aufwand wieder steigern lässt. Und das klingt so:
"Komm, Romi, Galopp!"
"Au ja! AB GEHT DIE POST!"
"Mooment. Ein bißchen zulegen ist ok, aber nachher auch mal wieder etwas gesetzter."
"Ok, aber jetzt erstmal VOLLGAAAS!"
Ein paat Meter lasse ich ihn, und dann setze ich mich hinten rein.
"Ach menno. Ok, dann eben Schritt."
"Neinnein, wir traben wieder ein Stück. Möglichst nicht im Roadrunner-Style."
"Ist ja gut." Stapft tapfer im leichten Schulterherein die lange Seite entlang "Aber jetzt wieder: ATTACKKEEE!" Er hat sich die Stelle des letzten Angaloppierens genau gemerkt und will jetzt erneut galoppieren, genau an der Stelle wie zuvor. Meinen Zupfer am äußeren Zügel beantwortet er mit einem Gegenangebot: Kopf etwas einrollen und abdüsen.
"Eyh, hab ich eine Galopphilfe gegeben?"
"Nee, aber es macht so Spaß!" Nichts erinnert mehr an den etwas müden Romi von vor einer guten halben Stunde.
"Moment, erst eine schöne runde Volte mit etwas Versammlung, bitte."
"Ok." *trabt eine 1-A-Volte, sogar mit einigermaßen Längsbiegung. Kaum am Punkt angekommen, nimmt er wieder das Heft in die Hand*
"Halthalt, Freundchen. ICH geb hier das Kommando."
"Nein!" "Doch." "Nein!" "Dohoch." "Menno!" *es geht in eine halbe Volte links, halbe Volte rechts, halbe Volte links. Dann geb ich eine kaum merkliche und noch weniger sichtbare Galopphilfe, die dankbar angenommen wird*
"JUHU!" *schon will er wieder losbrettern, wie in der Lösephase. Ich setz mich wieder hinten rein, er galoppiert jetzt aber gleichmäßig wie ein Uhrwerk auf dem Zirkel. Zufrieden gebe ich beide Zügel nach vorne und halte ihn am Kreuz.*
"Darf ich schneller?! " fragt er nach 3 ordentlichen Zirkelrunden.
"Jep." Prompt verlängert er die Sprünge, jetzt aber schön im Takt.Lässt sich wieder einfangen. "Uuund Schritt." Sauber wechselt er die Gangart.
Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, ist alles möglich: Romi ist zufrieden, kaut auch ohne Gebiss, lastet sich selber aus und reagiert gedankenschnell auf jede Hilfe. Ein Hochgenuss! Auch in den versammelnden Lektionen macht er große Fortschritte. Er hat jetzt auch wieder die körperlichen Voraussetzungen zurück erlangt und macht dann nichts als Freude. :-)
Den Weg dahin habe ich, wie auch in diesem Blog ersichtlich, recht hart erarbeitet. Aber es hat sich gelohnt, jede Minute davon. Und nach ein paar Anfragen nach einfachen Wechseln, auch versammelnde Trabarbeit mit Seitengängen und Arbeit in Richtung Passage, die artig beantwortet werden, hat er sich ein Powergalöppchen auf der ganzen Bahn verdient.
"Komm, Galopp nochmal, warst ja Spitze heute!"
"Au Ja! *Schweif geht steil nach oben*
"Vollgas?"
"WAS DENN SONST!" Und ab geht die Post. Romi ist glücklich, ich bin es auch und dann sind die Bremsen vergessen und es gibt nur noch Schwebephasen....

Sonntag, 10. Juni 2018

Happy birthday, bezaubernde Jeannie!

Wie die Zeit vergeht! 5 1/2 Jahre ist die bezaubernde Jeannie nun schon ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Seit ich sie mit meinem damaligen Lebensgefährten aus dem ortsansässigen Tierheim holte, ist eine Menge passiert, aber immer ist das pechschwarze, zuckersüße, zeitweise wirklich verschmuste und dabei doch immer mal wieder elfenhaft scheue Wesen eine mehr als angenehme Zeitgenossin gewesen und wird es in Zukunft hoffentlich auch noch lange bleiben. :-)

Die Legende, besser gesagt: Der Aberglaube, der darauf hinweist, dass schwarze Katzen, besonders von links nach rechts den Weg kreuzend, Unglück bringen, konnte die bezaubernde Jeannie bisher erfolgreich widerlegen. Als einzige Ausnahme lasse ich vielleicht gelten, wenn die Mieze besagten Weg auf unserer doch recht steilen Treppe in die oberen Gemächer unglücklich überqueren würde und ich dabei beladen wie ein Packesel, im Dunkeln... aber das würde mit einer roten, weißen, gescheckten, getigerten oder grüngelb karierten Katze dann wohl genauso passieren!

Im Gegenteil. Tage mit Jeannie, die - so wie heute - ohne weiteres entspannt auch draußen auf der Terrasse stattfinden können, sind tatsächlich Tage des Glücks! Völlig ungenervt vom Alltag relaxen wir hier, spielen miteinander, ich kann sie kraulen, während ich diesen Beitrag in den Blog schreibe. Die Sonne scheint dazu, die Jeannie schnurrt.. schlicht und einfach nur a perfect day, an ihrem heutigen 6. Geburtstag. Ich schnurre mit!

Ok, die Mäuse für die Torte sind mir allesamt entkommen und ich bin deshalb auf Erdbeeren ausgewichen, mit denen Jeannie nun nicht allzuviel anfangen kann, aber dafür gibt's ja ihre heiß geliebten Flugleckerlies, die sie - ein Manuel Neuer würde wohl vor Neid erbleichen - elegant und grazil mit ihren Pfötchen aus der Luft fängt, um sie dann genussvoll knuspernd aufzufuttern. Das ist ihr Lieblingsspiel und damit hält sie sich fit, jetzt, wo sie schon ein wenig älter geworden ist. Mit 6 Jahren - also vergleichbar mit den 25. Lebensjahr beim Menschen - ist sie ja nun aus dem Gröbsten raus!

Übrigens hatte ich noch nie ein Haustier, was - von anders gelagerten "Macken" mal abgesehen - so wenig Unsinn im Sinne von Zerstörungsbedürfnis im Kopf hatte als die bezaubernde Jeannie. Das macht sie umso bezaubernder, denn es würde ihr niemals in den Sinn kommen, Tapeten abzukratzen, Möbel zu ruinieren oder einfach nur ihr Geschäftchen in eine Zimmerecke zu machen. Unter normalen Umständen jedenfalls. Seit ich ihr anfangs freundlich, aber konsequent klargemacht habe, dass Katzenpfoten nichts auf einem Tisch zu suchen haben, und sei er noch so sehr mit Leckereien bestückt, reicht ein leises "Jeannie nein..." um sie zu ermahnen, von ihrem wie auch immer gearteten Tun abzubringen. Es war aber bisher noch nicht allzu oft nötig, sie in irgendeiner Form zu ermahnen. Die weiss einfach, wie man sich benimmt! Und das macht sie, ja richtig, noch ein bißchen bezaubernder! ;-)

A propos Leckereien: Hier ist sie ja ein wenig seltsam veranlagt. Sie mag eigentlich nichts, worauf andere Katzen mal so richtig abfahren wie Thunfisch, Milchprodukte, Leberwurst etc. Ich hab es schon öfter versucht, immer mal wieder, aber immer Fehlanzeige. Sie bleibt ihrem Futter (ok, da wechselt die Geschmacksrichtung hin und wieder) treu und ansonsten besteht sie abends auf eine halbe kleine Scheibe gekochten Schinken. Und auch den nur von einer bestimmten Marke, hauchdünn aufgeschnitten. Da ist sie wirklich eigen. Und wenn die halbe Scheibe dann verdrückt ist, in dünnen Streifen geschnitten übrigens, dann will sie auch nicht mehr davon. Bis zum nächsten Mal zum Abendbrotzubereiten in der Küche!

Liebe bezaubernde Jeannie, du bist eine der besten Freundinnen, die ich jemals hatte und ich hab dich wirklich sehr lieb! Bleib noch lange Zeit bei mir und wir sind und bleiben ein tolles Team. Happy birthday, kleine Maus!

Da war sie ja noch klein! :-)

Aber schon immer ziemlich clever!

Jeannie ist kein Wintersport-Fan...

... aber immer der Sonnenschein, auch im November!

Katzensuchbild!

Niemand hat so eine coole Katzentreppe wie Jeannie!

Sauberkeit ist ein Muss...

.. besonders wenn man hoch hinaus will!



Happy birthday, liebe bezaubernde Jeannie! :-)

Montag, 28. Mai 2018

Mäxchen bloggt: Vom Frühsommer und von Schwiegermüttern!

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Sonnenbadens, ich melde mich mal wieder aus dem Mehrgenerationenstall, bzw. von der Koppel desjenigen! Denn: Irgendwie ist der Frühling hier komplett ausgefallen und wir wechselten unser Fell, um nicht zu sagen unseren dicken Winterpelz, recht zügig in dieser Saison. Wir feiern heute nicht zum ersten Mal die 30°C-Marke in 2018!
Das heißt: Die nach dem eher langweiligen Winter mit Stall und Paddock heiß ersehnte Weide öffnete sich für uns gut 3 Wochen früher. Es ist phantastisch! Alle haben wieder bessere Laune, sogar meine schwarzfellige Wenigkeit. :-) Der Große Tollpatsch, der in den letzten Zügen des Winters richtig dünn wurde und dementsprechend mies gestimmt war, blüht wieder richtig auf und ist voller Tatendrang. Schlimm gehumpelt hatte er, klagte über Rückenschmerzen und mochte sein Heu nicht mehr fressen, weil das köstliche Grün auch schon etwas früher anfing zu wachsen. Er hatte sogar solche Beschwerden, dass er das eine oder andere Mal krankgefeiert hat. Und mir ahnte schon Übles. Ihr wisst ja, mit Romi im Stall bleiben müssen, während die Rindviecher schön auf der Koppel chillen und grasen dürfen, das geht ja nun mal gar nicht, oder? Das ist ja mein Schicksal, dass ich an seiner Seite bleiben muss, weil der Trampel sonst keinen Stein auf dem anderen lassen würde. Dann wären wir obdachlos und eventuell auch noch heimatlos, weil der Papa-Zweibeiner, dem die Rindviecher gehören, sowieso immer glaubt, dass alles, was kaputt geht, von uns Equiden mutwillig zerstört wurde. Also bitte, wir können doch wirklich kein Wässerchen trüben, außer, man lässt den Großen Tollpatsch alleine im Stall, ohne mich. Dann kann ich wirklich für nix garantieren! ;-)
Der Zerstörer unter uns Stalltieren ist allerdings der Jüngste im Bunde hier, der Sohn der ständig lamentierenden Lotti. Als Teenager neigt er zum Grenzen austesten, und wenn diese Grenzen nun mal ein Holzzaun oder eine Stalltüre sind, dann ist das eben so. Aber nein, da wird dann mir als Zwerg und Shetty wieder die Schuld in die Hüfchen geschoben, wenn mal ein Balken den abgestumpften Hörnchen vom Mini-Dalton nicht standhält. Klar, wer denn sonst. Hab ja sonst nix zu tun, ne?
Übrigens: Lotti oder auch Mama Dalton, sie ist mutmaßlich die lauteste Kuh hier im ganzen Landkreis. Ich mein, der Große hat ja schon immer mal was zu mosern, aber DIE übertrifft alles, was ich bisher an Mäkelig- und Nervigkeit erlebt habe. Und ich habe schon einige Lenze auf der Kruppe, das könnt ihr mir glauben. Dagegen war Romis Mama, die vornehme, aber sehr launische Araberin, ja die reinste Mutter Theresa!
Lotti muht, wenn sie findet, dass das Heu zu trocken oder zu nass ist, das Wasser zu kalt oder zu warm ist, das Gras zu lang oder zu kurz ist, wenn sie Stuhlgang hat, wenn sie ihre Artgenossen herumkommandiert, wenn sie auch welche von unseren Möhren haben will und auch einfach mal nur so. Sie erinnert an eine oberzickige Schwiegermutter, die von der Sorte, die von den Männern der holden Tochter gerne auf den Mond geschossen werden würden. So eine Meckerkuh, und das im wahrsten Sinne des Wortes, hat die Welt noch nicht gesehen bzw. gehört. Unfassbar.Wenn der Papa-Zweibeiner sich nur blicken lässt, muht Lotti wie eine Weltmeisterin. Der versteckt sich schon vor ihr, weil das Gemuhe echt laut ist! Aber wenigstens bin ich daran nicht schuld. Wäre ja auch noch schöner!
Ich hab mir ein bißchen vom Herbstlaub in die kleinen Öhrchen gestopft, um nicht immer vor Schreck halb ohnmächtig zu werden, wenn Lotti mit ihrem Konzert loslegt. Und das Schlimmste ist: Die Resi, das dritte der Daltons, fängt jetzt auch schon damit an. Na, Prost Mahlzeit. Werde demnächst alle 3 beim Supertalent anmelden, der Dieter freut sich bestimmt über solche Auftritte.  Und wer weiß, vielleicht gewinnen sie sogar und bekommen vom Preisgeld einen eigenen Stall...? ;-)

Man wird ja wohl noch träumen dürfen... Oh je, da muht sie schon wieder. Sie möchte in den Stall gelassen werden..

Es grüßt euch
euer Mäxchen (mit einem hoffentlich vorübergehenden Tinnitus)!

Mittwoch, 9. Mai 2018

Musikworkshop 2018 - So schön, schön war die Zeit!

Leute, was war das wieder herrlich! Mitten im Maisommer mit Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius versammelte sich einmal mehr eine Meute von Musikbegeisterten, wie ich es ja auch bin, in einer kleinen Sporthalle mitten im nördlichen Münsterland. Das Ziel: Ein besonderes Programm für ein 50-Jahre-Betriebsjubiläum zusammenzustellen. Besonders ist es nicht nur, weil es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von MusikerInnen und Tänzerinnen mit und ohne Behinderung handelt, sondern weil sich wirklich für jede/n ein Plätzchen findet, um tatkräftig mitzuwirken!

Professionell angeleitet wird der Musikworkshop von sowohl jahrelang banderfahrenen und/oder professionellen MusikerInnen und Sporttherapeutinnen und es ist jedes Mal eine Herausforderung für alle, denn es ist wirklich eine bunte Truppe, die sich hier jedesmal direkt nach Herausgabe der Ausschreibung anmeldet. Es wird gesungen, getanzt und getrommelt, in einer Band gespielt und ausnahmslos jedermann und -frau macht hier voller Elan über die gesamte Distanz von 3 Tagen mit, ohne Ermüdungserscheinungen zu offenbaren. Die "Chefin" vom Dienst ist übrigens die Sängerin und Musikpädagogin Bea Nyga aus Köln, die - selbst im Rollstuhl sitzend - mit ihrer positiven und wirklich hinreißend humorvollen Art imstande ist, jeder Person im Raum innerhalb von wenigen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Fan von Bea, deren konstruktive Kritik sofort Wirkung zeigt, aber immer mit einem charmanten Spruch garniert auch garantiert im Gedächtnis kleben bleibt.

Es wurde im Hintergrund fleißig getextet, transponiert und dann am Feintuning gefeilt und schließlich ein Programm auf die Beine gestellt, dass immer zu einem guten Teil aus den Ideen und Eingebungen der Teilnehmer lebt. Mit ihren äußerst lebendigen "Mitmach-Songs" schafft sie es außerdem, dass niemand einfach auf seinem Stühlchen in der Kennenlernphase kleben bleibt, sondern ruckzuck eine tolle, vom Gemeinschaftsgefühl geprägte Atmosphäre entsteht, die über die Dauer des Workshops durchgängig bestehen bleibt.

Es wurde neben der lockeren Atmosphäre allerdings auch hart gearbeitet, und zwar an Songs und Performances aus so ziemlich allen Epochen der jüngeren Musikgeschichte. Ich nannte es vorhin mal scherzhaft "So schön war die Zeit - Das Musical" und es war tatsächlich ähnlich aufgebaut! Mit Bezug auf das 50jährige Bestehen der WfbM als Ausrichter wurden 3 Strophen gefertigt, die immer wieder unterbrochen wurden von Rock-, Pop- und auch Schlagerklassikern, die aber nie den Bezug zum Hauptthema verloren. So wurde z.B. aus dem Kinderlied von der Biene Maja eine Hommage an die Insel Baltrum (Ziel vieler Freizeiten und Lehrgängen der WbfM mit eigener Immobilie) und auch John Denvers "Country Roads"sowie  die "Straße nach Amarillo"  kündeten von Fernweh und Reiselust in der bevorstehenden Urlaubszeit. Original belassen als eine ziemlich harte Nuss entpuppte sich Mark Forsters "Chöre", gesungen von einem autistischen Zufallsteilnehmer, der die Bandprobe durchs offene Fenster mal zufällig mitgehört und aus dem Kopf tonrein und auswendig mitgesungen hat inklusive der bewundernswerten Tatsache, dass M. den Song auch vor den geladenen Gästen und Publikum einfach mal so vorgetragen hatte. Wir von der Band haben ihn sehr gerne dabei begleitet und alles gegeben, ihm Sicherheit zu geben und das hat sofort funktioniert. Mit Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Akustikgitarren sowie der Percussion-Abteilung wurde M. optimal unterstützt, denn es wurde ein voller Erfolg. Forster, zieh dich warm an, denn M.'s wunderbar samtige, aber energische Stimme hat jeden sofort in seinen Bann gezogen! Und beim Refrain "Und die Chöre singen für dich" hat alles, was in der Halle Stimmbänder besaß, richtig Gas gegeben und gegroovt und er wurde dann auch circa 100x wiederholt. Ein Mega-Gänsehaut-Moment! ;-)

Meine Wenigkeit wurde zur Zugabe mit meiner Duettpartnerin T. ebenfalls ins Rampenlicht gezerrt, obwohl wir eigentlich nur Bea in einer Pause mal unsere Version von Simon & Garfunkels "Sound of Silence" zur gnadenlosen Beurteilung vorgetragen hatten. Da machste das einmal und ratzfatz biste Teil des Programms, sozusagen als Schlussakkord für die leiseren Töne! Sie fands wohl nicht so schlecht! Wir gaben also nochmal alles mit Gesang und nur meiner Gitarre und nachdem es währenddessen mucksmäuschenstill im Saal wurde, brandete nach dem Schluss-A moll ein orkanartiger Applaus auf, der mir nicht zum erstenmal heute die Tränen in die Augen trieb, und das nicht nur, weil das schon wieder das Ende einer Workshopwoche darstellte. Sondern weil ich mich getraut habe, vor Leuten, die ich gar nicht kenne, etwas vorzutragen. Heißen Dank an die tolle T. für diesen wunderbaren Moment! Und nicht nur deshalb "Heiss", weil die Raumtemperatur sich wohl so langsam dem Siedepunkt annäherte.. ;-)
Gelernt habe ich an diesem Tag nicht nur von den Coaches und der Chefin Bea, sondern vor allem von M., der das ja auch einfach so mal wunderbar hinbekommen hat. Auch dafür bin ich ihm mehr als dankbar!

Und wo ich gerade beim Bedanken bin: Einen ebensolchen  an die Initiatoren und ausführenden Menschen des Workshops und auch ausnahmslos allen TeilnehmerInnen und die phantastische Bea Nyga nimmt einen musikalischen Gruß aus meiner Feder (=Tastatur) mit nach Kölle... zu der ihr wohl bekannten Melodie von "Superjeile Zick"!

Hier noch der Link zu Beas Homepage, zum Stöbern und vielleicht auch selbst mal erleben!   https://www.bea-nyga.de/category/ueber-bea/

Sonntag, 29. April 2018

Wartezimmer from Hell: Schöne neue Welt!

Tja, wenn man so ausgeliefert in einem Wartezimmer beim Zahnarzt sitzt, schießen einem ziemlich viele Gedanken durch den Kopf, aber einer überlagert sie alle mühelos. Und der brüllte mittlerweile durch meine Hirnwindungen: "WANN BIN ICH ENDLICH DRAN UND WERDE MEINE SCHMERZEN LOS?" Und direkt dahinter her: "SOS! MAYDAY! HOLT MICH HIER RAUS!" denn der kleine Max bekam nun langsam, aber sicher seine 5 Minuten des Rabaukentums. Längst gab er sich nicht mehr damit zufrieden, mit der flachen Hand an die Wände zu klatzen oder den Matchboxautos eine neue Funktion als Flugobjekte zu verleihen. Nein, nun bekam er auch noch Hunger und die draußen brausende Kirmes bot ja so einiges an Leckereien, gerade für die Kleinen.
"ICH WILL EIN EIS, MAMA!" tat er plötzlich mit kräftiger Stimme kund, dringend an seine Erziehungsberechtigte gewandt.
"Gleich, Schatz. Der Papa muss erst noch..."
"NICHT GLEICH! JETZT! SCHOKO UND VANILLE!" Mäxchen machte gleich Nägel mit Köpfen und gab seine Bestellung auf.
Die Mutter, immer noch in eine Ausgabe der "Landlust" vertieft, schien derlei schon gewöhnt, denn sie blickte nicht mal auf. Stoisch wiederholte sie ihr "Gleich, Schatz, der Papa muss erst.." um an gewohnter Stelle von den Forderungen des Youngsters unterbrochen zu werden. Respekt an die Geduld der Mittzwanzigerin, die hatte anscheinend Nerven wie Drahtseile.
So ging es noch ein wenig hin und her und Loriot hätte an der Szene seine helle Freude gehabt. Ich auch, wären da nicht diese pochenden Schmerzen mit Klopfen und Kieferklemme..
Die magische Tür öffnete sich jetzt wieder und ich hob so hoffnungsvoll den Kopf, als wäre ich eine Verdurstende und jemand reichte mir die letzte Cola vor der Wüste. Aber nein, ein weiteres Frau-Kind-Gespann betrat das Wartezimmer und nahm Plätze ein. Hier handelte es sich aber offenbar bei dem blondschopfigen Jungen um den Patienten, denn er hielt sich die Wange. Die Dame war wohl auch nicht die Mutter des Jungen - ich nenne ihn jetzt mal Moritz - denn sie telefonierte hektisch und gestresst mit wohl eben dieser. "Die Gesundheitskarte hast du.. ja... wann geboren? Ach ja stimmt.... ach, das wird schon nicht so schlimm sein... was? Nee, der sitzt hier neben mir...sind noch 3 vor uns, ja... ja.... das kann noch ein bißchen dauern..... Ok, wir sehen uns. Tschau!"
Hm, dieser Moritz schien das genaue Gegenteil vom Max zu sein. Leise und bleich saß er still auf dem Kinderstühlchen, schüchtern wagte er gar nicht, irgend etwas anzufassen. Während Mäxi immer noch lauthals sein SchoVani-Eis forderte.
Kam ich aus diesem Vorhof der Erziehungshölle jemals wieder heraus? Oder irgendeiner von diesen Personen? Mir kam der Song von den Eagles in den Sinn, Hotel California, und besonders die Textzeile "You can check in every time you want, but you'll never leave..." Ja, willkommen beim Zahnarzt California, mitten in einer bekirmesten Kleinstadt im nördlichen Münsterland. Loriot würde mittlerweile wohl ausrasten vor Begeisterung, würde er noch unter uns weilen.
Das Muttertier schien nun endlich mit der April-Ausgabe der "Landlust" durch zu sein und plötzlich funktionierten ihre kognitiven Fähigkeiten wieder. Sie sprang auf, reichte dem Sprößling seine Jacke und verließ eilig das Wartezimmer. Mit ihm, was ich als sehr wohltuend empfand! Hach! Endlich Ruhe im Saal!
Tja, das dachte ich jedenfalls, denn auf einmal schien sich Moritz an seine Sprache zu erinnern und nörgelte los: "Dauert das noch lange? Mir ist laaaangweiliiig!"
Oh nein, nicht der jetzt auch noch.
Die Dame schob ihm ein Bilderbuch hin. Das gute alte Bilderbuch würde augenblicklich wieder für Ruhe sorgen. Ein Hoch auf..
"Ach maaa. Das kenn ich schon", begehrte der Blondschopf auf und das wiederholte sich bei allen 4 vorhandenen Bilderbüchern. Offenbar saß Moritz öfter in Wartezimmern herum.
Auf einmal hatte die Dame eine ganz grandiose Idee: Sie tippte was auf ihrem Smartphone ein und plötzlich brachen Bagger, Maschinengewehre, Silvesterraketen und Hubschrauber über das kleine Wartezimmer herein. Meine unbegeisterte Mine dazu wurde konsequent ignoriert. Was zum Teufel...?
"WILLKOMMEN ZU EINER NEUEN EPISODE VON 'LEGOLAND IST ABGEBRANNT' auf YOUTUBE. GLEICH GEHTS WEITER NACH EINER KURZEN WERBEUNTERBRECHUNG!"
Das träume ich doch jetzt nur, oder? So wie diese gesamte Zahnschmerzsache doch eigentlich nur ein Alptraum sein kann. Oder? ODER?
Nein. Es ging nach der kurzen Werbeunterbrechung weiter mit dem abgefackelten Legoland, und zwar in voller Lautstärke. Hatte die Dame noch nichts von der segensreichen Erfindung der Ohrstöpsel gehört, die man in einem solchen Fall gerne verwendet? Zur Schonung der noch nicht abgeburnten Umwelt?
Anscheinend nicht, denn sie widmete sich nun in aller Gemütsruhe der Lektüre einer Ausgabe von .. na ratet mal... richtig: Der Landlust.
Nach weiteren 3 Folgen von "LEGOLAND IN GEFAHR" fand sich auch Mäxchen mitsamt Mutter und einem Rieseneis Schoko-Vanille wieder im Wartezimmer ein.
"OH GEIL, JUTJUP-LEGOLAND! MAMA, MACH MA MEIN TABLET AN!"
Und so kam es, dass ich simultan in den Genuss von 2 verschiedenen Episoden von "LEGOLAND IST ABGEBRANNT" kam und ich weiss gar nicht, welche mehr in meinem Schädel dröhnte. Immerhin hielten Max & Moritz derweil die Klappe und als ich ENDLICH ins Behandlungszimmer gerufen wurde, warf mir die Sprechstundenhilfe einen vielsagenden Blick zu.
"Schöne neue Welt, nich?"
Ich nickte bejahend, bevor ich mich in den gefürchteten Stuhl des Zahnarztes begab. Heute aber kam er mir vor wie der Himmel auf Erden.

Mittwoch, 18. April 2018

Das Wartezimmer from Hell - Kirmes innen und außen!

Wenn man von doch recht starken Schmerzen geplagt wird und auch nicht gerade eine ruhige Nacht damit verbracht hat, wenn man sein Gesicht immer stärker anschwellen sieht, feste Nahrung zum Schreckgespenst wird und nicht nur deshalb irgendwie schlechte Laune hat, dann sehnt man sich nur noch danach, dass es endlich aufhört. Aufhört zu puckern und zu pochen, zu schmerzen und zu nerven und dass es einfach wieder so wird wie vorher.
Mit einem Gewissen, das noch schlechter ist als ein Liter Milch, der tagelang in der prallen Sonne stand, erinnere ich mich daran, dass ich im letzten Jahr einen Termin zur Entnahme des nun stark marodierenden Weisheitszahnes aus - ja, aus Feigheit, aus Angst eben - platzen ließ, mit einer eher fadenscheinigen Begründung. Damals war es auch nicht so schlimm gewesen und ich dachte, noch ein paar ruhige Jahre mit ihm gemeinsam verbringen zu können. Dass das blöde Ding so undankbar ist und mir heute die Hölle so heiss macht - wer konnte das denn ahnen? Ok, mein Zahnarzt vielleicht..
Egal. Ich bin im Hier und Jetzt und nachdem ich einen Parkplatz fand, den ich auch nach einer Tortur bestimmt wiederfinden würde, begab ich mich in die Notfallpraxis. Freundlich wurde ich begrüßt, eventuell ein wenig bedauert und zum Warten ins gleichnamige Zimmer geschickt. Drei Patienten, teils mit, teils ohne Begleitung harrten hier schon der Dinge und ich setzte mich brav auf ein Stühlchen, hoffend, dass das hier jetzt ratz-fatz ginge mit der ruhebringenden Erlösung. Denn Ruhe war das zweite, nach dem ich mich sehnte - einfach nur Ruhe haben und einigermaßen schmerzfrei sein. War das denn zuviel verlangt?

Ja, war es. Denn mit der Ruhe war es nicht weit her! Das wurde schlagartig klar, als ein Patient, der seine Kleinfamilie zur moralischen Unterstützung dabei hatte, das Zimmer Richtung Behandlungsraum verließ. Ein kleiner Junge mit Undercut-Frisur nebst seiner jugendlichen Mutter waren wohl Garanten dafür, dass jetzt gleich das Entertainment-Programm losgehen würde. Allerdings nicht das für die leidgeprüften Patienten, sondern eher das für den kleinen Jungen.. ach, ich nenne ihn jetzt einfach mal Max, der Einfachheit halber.
Während man selber als Kind in Wartezimmern immer dazu angehalten wurde, ruhig zu bleiben und anderen Menschen nicht auf den Keks zu gehen, und sich auch weitestgehend daran hielt! - scheint diese goldene Regel stark an Gültigkeit eingebüßt zu haben. Denn - ich ahnte es bereits im Vorfeld - Max hatte jetzt schon keinen Bock mehr, brav mit seinem mitgebrachten Tablet Counter Strike oder ähnlich Wertvolles für Kiddies um die vier Jahre zu zocken. Wenn ich nochmal zurückdenke, waren für Jungs in dem Alter immer Spielzeugautos, Bauklötze und Bilderbücher interessant, aber bloß keine Unordnung in die Spielecke bringen! Für uns Mädels gab es Teddys und Püppchen zum Spielen oder auch mal ein einfaches Puzzle und rosafarbene Bilderbücher ohne Actionhelden. Selten wurden diese Dinge allerdings exzessiv benutzt, denn sie sahen immer aus wie ladenneu und weilten geordnet in einer bunten Kiste, die auch als Notsitz diente, auf ihre Einsätze. Meist saßen wir Kinder doch still und fromm neben unseren Erziehungsberechtigten, denn wir sollten ja niemandem auf den Keks gehen...
Aber die Zeiten haben sich geändert. Das musste ich heute einmal mehr feststellen, als Klein-Max so langsam, aber sicher zu Hochform auflief. Jetzt schubste er die Spielzeugautos carambolageartig vom Kindertischchen und verlangte nach einem Eis. Draußen sei ja schließlich Kirmes, und er müsse hier drinnen darben und auf seinen mutmaßlicheen Erzeuger warten.
Kurzum: Mäxchen quengelte und fing derweil an, mit den Händen lautstark gegen die Regipswände zu klatschen, um seinen Bedürfnissen mehr Nachdruck zu verleihen.
Für eine weitere wartende, wahrscheinlich zahngepeinigte Dame und für mich, die gerade ihre eigene Kirmes im linken hinteren Unterkiefer beherbergte, ein Grund, genervte Blicke gen Himmel zu senden.
Die zahlreich ausgelegten Zeitschriften interessierten mich schon nicht mehr, denn ich konnte mich auf kein geschriebenes Wort mehr konzentrieren, Ein Wunder, dass ich die Autofahrt hierher schon schadlos überstanden hatte, denn meine Fahrkünste waren bereits nach 3 Minuten auf ein Mimimum beschränkt! Die Schmerztabletten, dich ich mir in der Nacht schon eingepfiffen hatte, taten ihr übriges, nur eins nicht mehr: Schmerzen lindern.
Die Mutter des Mäxchens, der mittlerweile dazu übergegangen war, selbige mit den heruntergefallenen Matchboxautos zu traktieren, machte indes einen eher ruhigen Eindruck. Sie schien derlei gewohnt zu sein und hatte bereits resigniert, denn sie studierte dabei scheinbar gelassen eine Ausgabe der "Landlust - das Magazin für Stil und Wohnkultur" aus dem ausliegenden Stapel. Stil und Wohnkultur ging diesem Wartezimmer derweil völlig ab.
Plötzlich öffnete sich die Türe der Hoffnung und die andere Dame wurde gerufen. Wie der geölte Blitz schoss sie der Sprechstundenhilfe hinterher, mich mit meinem Schicksal allein zurücklassend. Mäxchen konnte hingegen nicht anders, in die sich schließende Tür noch einen kleinen VW-Käfer zu werfen, traf allerdings nur die Glasscheibe. Nicht mal dieser Beinahe-Schaden brachte die Mutter zum Aufblicken und belustigt grinste ich in mich hinein und stellte mir vor, wie sehr sie sich wohl nach einem idyllischen Bauernhaus mit weißen Tischdecken, stilvoller Silberdeko und lindgrünen Vorhängen sehnen mochte. Ohne den zerstörerischen Sohnemann, womöglich.
Zwei Dinge würden mir das Leben nun spontan erleichtern: 1. Die Tür ginge auf und ich würde Mutter und Max nun meinerseits innerlich Adieu sagen dürfen oder 2. der Vater kehrte endlich aus der Kammer des Schreckens zurück, nahm Frau und Kind und alle zusammen stürzten sich ins bunte Treiben der Fahrgeschäfte und Losbuden und zu allererst zum Eismann, um Mäxens Hunger auf leere Kohlenhydrate zu stillen.
Eine Uhr hatte ich gar nicht dabei, aber es muss nun schon eine Stunde vergangen sein, seit ich mich still und introvertiert auf mein Stühlchen gesetzt hatte. Aus Gründen gab es auch keine Zeitanzeige im Warteraum. Hm.
Da! Die Tür öffnete sich. Möglichkeit 1. oder 2.?
Irrtum. Aber wenn ihr wissen wollt, welche Option sich nun auftat, dann lest euch auf jeden Fall die nächste Episode des Wartezimmers from Hell durch! ;-)

Sonntag, 15. April 2018

Das Wartezimmer from Hell - Wie alles begann!

Wir alle kennen das wohl leider: Man hat abends schon so ein seltsames Kribbeln in der unteren Gesichtshälfte und am Morgen dann die Bescherung. In diesem Fall leider kein Lottogewinn, sondern eine ziemlich deutlich angeschwollene Gesichtshälfte nebst ebensolchem Übeltäter, einem marodierenden Weisheitszahn. Natürlich nicht ohne epischen Schmerzhintergrund. Das zwiebelt und klopft und puckert!
Ein Blick auf den Kalender verrät mir: Mist. Es ist Samstag morgen and the weekend is just beginning. Na, das wird ja ein Spaß, denn der ganze Zirkus macht nicht den Eindruck, als würde mit einer Kompresse aus Kamille und Salbei direkt alles wieder gut. Selbst die zuverlässigen Schmerztabletten scheinen ohne Wirkung zu bleiben. Und der Montagmorgen ist noch weit! Zu HÜLFE!
Was also tun: Den zahnärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen, natürlich. Und das so schnell wie möglich.
Es ist gerade einmal 7:42 Sternenzeit (weil ich vor Schmerzen Sternchen sehe, die um meinen Zahn der Weisheit zu kreisen scheinen). Also Internet an und recherchieren. Wer würde wohl als dienstbarer Geist zur Verfügung stehen, um mich von der Pein zu befreien? Vielleicht sogar mein neuer Lieblings-Zahndoc?
Das Internet preist auf den entsprechenden Seiten nur eine Service-Hotline für den Landkreis an. Mit einer Bandansage. Willkommen im Jahr 2018.
Die Dame teilt mir hiermit mit, dass ich mich auch für einen anderen Notdienst in einer anderen Stadt entscheiden könne, da in meiner Stadt sowieso kein Notdienst zur Verfügung stünde. Ich überlege genervt, wie weit mich meine Autofahr-Skills wohl noch bringen, wenn ich noch eine ganz kleine Schmerztablette einwerfe. Zunehmend genervt vernehme ich die Bandansagen-Dame, die mir eine Notfallpraxis im Nachbarort anpreist. Alternativlos, wohlgemerkt, obwohl es hier in der Gegend eigentlich eine wahre Zahnärzte-Schwemme gibt. Aber nur diese eine Nummer wird genannt. Ich wähle sie mit zitternden Fingern. Erwähnte ich eigentlich irgendwann schon einmal, dass ich eine Riesenangst vorm Zahnarzt habe? Und dann noch als Notfall!
Aber anders lässt sich der Zustand meines Unterkiefers leider nicht mehr beschönigend beschreiben. Es schmerzt wie Sau, klopft, schwillt immer noch mehr an und ich bekomme den Mund gar nicht mehr auf. Es fühlt sich ein bißchen an wie ein CD-Player-Schlitz am Autoradio, nur mit weniger Spielraum.
"Der gewünschte Gesprächspartner ist zur Zeit nicht erreichbar" , teilt mir eine andere, wesentlich strengere Computerdame mit. Ouha.
"Bitte versuchen Sie es später noch einmal!" raunzt sie weiter. Wäre ich ein Cocker-Spaniel, würde ich die Ohren hängen lassen bis auf den Fußboden. Da ringt man sich einmal durch, der Stimme der Vernunft zu folgen und eine Zahnarztpraxis aufzusuchen, bevor man vor Schmerzen explodiert, und dann sowas. Enttäuschend.
Ich beherzige den Tipp und versuche es später noch einmal. Und noch später und noch später und noch später auch noch mal. Und jedesmal verzweifle ich ein bißchen mehr. Komm, einmal noch und... da geht tatsächlich ein MENSCH ans andere Ende der Leitung! Juhu!
Vor lauter Überraschung lasse ich fast das Telefon fallen. Dann melde ich mich aber korrekt und trage mein Anliegen vor.
"Dann sollten Sie aber so schnell wie möglich hier vorbeikommen", schlägt die Nichtcomputerstimme heiter vor. Ja klar, deshalb ruf ich ja an. Bis nächste Woche Donnerstag halte ich das nämlich nicht mehr aus...
"Ich bin in einer Viertelstunde da.." verkünde ich optimistisch. Wo war nochmal die Bahnhofstraße im Nachbarort?
"Hier ist grad Kirmes, da sind die Parkplätze knapp!" Oh nein, auch das noch. Eine komplette Kirmes hab ich gerade im Kopf, da brauche ich nicht noch eine reale. Trotzdem steige ich ins Auto, starte den Motor und begebe mich auf eine Fahrt ins Ungewisse...
Dass meine bösesten Vorahnungen beinahe noch übertroffen werden und wie es weitergeht, erzähle ich im nächsten Teil von "Wartezimmer from hell". Fly on! :-)


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Eine weihnachtliche Soap-Opera aus irgendeinem Mehrzweckstall im Münsterland! Die HauptdarstellerInnen: Mäxchen Romi aka "...