Dienstag, 29. August 2017

#Shithappens Vol. III: Der Ritter der (Kokos)Nuss!

Hiermit schwöre ich noch einmal hochfeierlich meiner ortsansässigen Lieblingsautowerkstatt die Treue, denn das, was nun geschah, wäre meinem Schrauber niemals passiert.

Kapitel III: Unbezahlbar!

Es war sommerlich warm an diesem Dienstagmittag im August. Die Vöglein besangen den sich allmählich ankündigenden Jahreszeitenswechsel, kurzbehoste bzw. -berockte, bestens gelaunte Menschen flanierten zum schräg gegenüber liegenden Mäckes, um sich ein leckeres Eis zu gönnen und Cabriobesitzer fuhren oben offen durch den Kreisverkehr Richtung A 30, um sich einmal richtig den Fahrtwind um die Nase kitzeln zu lassen - oder wie so oft im Stau zu stehen. Dann aber mit Stil und Strohhut und Sonnenbrille.

Ob Fury, mein geliebtes blitzeblaues Auto, und ich jedoch vor Wintereinbruch wieder eine Straße befahren würden, bezweifelte ich langsam. ES IST DOCH NUR EINE VERDAMMTE BATTERIE ZU WECHSELN! Mittlerweile war auch der Auftrag (oh, geliebtes Bürokratenland) dem Drucker entschlüpft, allein es fehlte der zuständige Mechaniker, der wahrscheinlich bei der Mäckesfiliale noch ein zweites Dessert zu sich nahm.
Mein Herr Ritter, der ritterliche, suchte derweil verweifelt in Furys Innerstem nach seiner verlorenen Nuss, es musste ihm ähnlich zumute sein wie dem verzweifelten Gollum, der dem Hobbit Frodo den Ring, seinen Schatz, entlocken oder stehlen will. Ähnlich wie bei Tolkien schien ihm aber Sauron in Gestalt des Geschäftsführers im Nacken zu sitzen! Mordor, äh, mein blauer Fury, wollte aber die einmal eingeheimste Nuss offenbar nicht wieder rausrücken, denn sie blieb dem suchenden Auge nebst Halogentaschenlampe ebenso verschollen wie die versunkene Stadt Atlantis.

Hui! Fröhlich pfeifend betrat der Mechaniker 1, zuständig für Bühne 4, wieder den Ort des Geschehens! Rettung naht, so sehr der Ritterliche sich auch bemühte, helfend zur Hand zu sein, die Anwesenheit des Fachmanns für 3-Schrauben-Batteriesicherung ließ sowas wie einen Funken Hoffnung aufkeimen. Mit einer nicht gelösten Schraube gehen wir schließlich noch lange nicht nach Hause!
Schon schnappte er sich das geduldige Papier mit dem Auftrag, ließ sich grinsend den Schlüssel vom Nussversteck aushändigen und schwupps, stand Fury in den heiligen Hallen des 3buchstabigen Schraubermekkas.
Übrigens hasse ich es, wenn man in meinem Auto den Sitz verstellt. Ich bin nicht so riesengroß und irgendwann habe ich mal die ideale Position des Fahrersitzes gefunden, in der ich schalten, bremsen und gefühlvoll Gas geben kann, ohne mit der Nase auf dem Lenkrad zu hängen. Deshalb fahre ich meinen Fury auch mit Bravour auf jede Hebebühne oder Waschanlage. Diesmal: keine Chance. Dienst nach Vorschrift. Hmpf.

Nach ca. einer Minute saß die Batterie an ihrem Platz und Fury sprang auch freudig wieder an. Sogar besonders melodisch, wie ich mir einbildete. Kein Wunder, bei so einer feinen Batterie mit extra Kaltstartpower und sogar den Polen an den richtigen Positionen. Da gibt es nix mehr zu mucksen!

Mein strahlendes Lächeln ehrlicher Freude über den durchaus positiven, wenn auch teuren Einsatz wurde jedoch jäh unterbrochen vom Mechaniker 2, der sich auf Bühne 3 mit einem zickigen Toyota herumschlagen durfte: "Alles Werkzeug wieder am Platz, Ritter?" Dabei bedachte er das Verkaufstalent mit einem derart grimmigen Blick, dass mir das Blut und Fury die Kühlerflüssigkeit in den Adern gefror. Die NUSS, die dämliche!

Mechaniker 1 nahm dem Ritterlein auch flugs die Halogenleuchte aus der Hand, verrenkte sich akrobatisch in Furys Innerstem, schüttelte den Kopf und schwuppdiwupp war der Blaue auch schon eineinhalb Meter in der Luft. Fachmännisch wurde nun der Unterboden abgeklopft.
Allein ich in meiner Weisheit hielt die Klappe. Dies hier war Männersache und es ging hier auch um mehr als nur eine Schraubennuss. Es ging hier mindestens um einen Kasten Bier, wenn nicht sogar ein Fässchen. Männer unter sich halt.

Klopf klopf-dengeldengel und plötzlich: Da klingt es komisch, da muss sie sein! Unter der Verkleidung ganz vorne am Kühlergrill eine rundliche Verhärtung. Das muss sie sein, die herrliche Nuss!
Etwas lieblos riss Mechaniker 1 nun die Verkleidung herunter, immer gemäß Herstellerangaben, nehme ich an, pflückte die Nuss heraus und übergab sie dem Ritterlein wie ein Kleinod. Dieser wurde tiefrot, übergab das wertvolle Kleinod dem 2. Mechaniker, der es unter gemurmelten Formeln (Wow, Gandalf!) in seinen heiligen Gral bzw. Werkzeugschrank gleiten ließ. Nicht ohne vorher noch ein wenig Schmierfett von der Schale zu putzen. Fury hatte schließlich nicht so richtig saubergemacht.
Der vorwurfsvolle Blick ging an mir vorbei. Ich hatte nun schon meine Kreditkarte in der Hand und wollte diesem Tun und Treiben nun endlich ein Ende bereiten. Zeit ist Geld, Herrschaften!
Nach ein paarmaligem Hin-und Herbuchen wegen der zunächst falschen, dem ortsüblichen Satz zum Entsorgen einer Autobatterie (7,50 €), dem Einbau (17,- €) immerhin inklusive Märchensteuer, der Rückerstattung der Entsorgungsgebühr (7,50€) bei Erwerb einer neuen Batterie und noch ein wenig was für die Kaffeekasse war ich nun um einen Haufen Papier reicher und um einige Euros ärmer. Aber: Hauptsache, Fury springt wieder problemlos an, dann wohl auch im kommenden Winter (Kaltstartpower) und ich habe mal wieder eine Story aus dem echten Leben für meinen Blog, also für euch. Und das ist quasi unbezahlbar! :-)

Es grüßt euch
euer Copinchen (lässt nie wieder fremdschrauben)!

Freitag, 25. August 2017

#Shithappens Vol.II: Von Nüssen und Atomen!

Tja, noch immer ist Fury fahruntüchtig und steht auf dem Hof der Werkstatt. Die neue Batterie ist schon ausgesucht, sogar eine, die auch reinpasst und ein Mechaniker isst gerade zu Mittag, die anderen beiden sind auf seltsame Art und Weise spurlos verschwunden. Nur der Verkäufer steht mir noch bei, und der hat plötzlich eine prima Idee.

Kapitel II: Sind ja nur drei Schrauben!

"Ich hole mal eben Werkzeug, dann machen wir das hier zusammen auf dem Hof. Das kriegen wir schon hin, oder? Es sind ja nur drei Schrauben."
Ich nicke halb überzeugt. Sind ja nur 3 Schrauben und Plus- und Minuspol kann ich gerade noch so unterscheiden. "Ok", stimme ich zu. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen würde.
Herr Ritter verschwindet kurz und kommt mit einer Ratsche und einer Nuss wieder. Sie passt natürlich nicht. Der Geschäftsführer guckt argwöhnisch herüber und der Herr Ritter drückt mir die Ratsche in die Hand. "Sie wills selber machen!" ruft er zu ihm herüber. "Ich bleib dabei,damit das auch klappt!"
Aha, denke ich mir meinen Teil und der Witz mit der Atomspaltung fällt mir ein.
"Wie spaltet man ein Atom?! "
"Keine Ahnung!"
"Gib es einer Frau in die Hand und sag ihr 'Machs nich kaputt'!"

Hmmm. Genau so hab ich auch geguckt. Ich hab natürlich schon oft mit Werkzeug hantiert und krieg es auch meistens so hin, wie es aussehen soll. Der Herr Ritter wäre aber nicht der Herr Ritter, wenn er mir nicht, kaum dass sein Chef sich umgedreht hat, die Ratsche wieder aus der Hand nimmt und selber weiterwerkelt. Sind ja nur 3 Schrauben. Immerhin lösen wir in Gemeinschaftsarbeit die Plus- und Minuspolmanschette, auch wenn ich meinen Ritter darauf hinweise, dass er besser die untere Schraube losdreht, die die Manschette löst und nicht die obere, die die Kabel am Platz hält. Er nickt mir dankbar zu und löst die andere Manschette. Läuft ja bei uns!

Nun noch die untere Schraube, die die Batterie am Platz hält. Eine besonders stabile und recht weit unten im Motorraum angebracht. Mit der Ratsche kommt man da nicht richtig dran und eine andere Größe hat sie auch.
Herr Ritter verschwindet wieder in der Werkstatt und kommt mit Special-Force-Werkzeug wieder. Weil er immer noch von seinem Chef suspektiert wird, drückt er mir alibiweise die Ratsche in die Hand. Nun macht er sich mit der Verlängerung an der unteren Schraube zu schaffen, da macht es "Klonk". Die Schraubennuss ist abgefallen und versteckt sich ab sofort für das menschliche Auge unauffindbar in den Untiefen des Motorraums.
Herr Ritter überspielt seine plötzliche Unsicherheit mit einem Lächeln. "Die finden wir schon wieder!" Ich aber stelle fest, dass dem guten Mann langsam aber sicher der blanke Schweiss ausbricht, kritisch beäugt vom Chef, der so langsam auch mal zum Mittagessen gehen könnte. Aber nein, das Programm auf seinem Werkstatthof ist gerade viel interessanter als ein Chefsalat bei McD um die Ecke!
Man kann durchaus über einen Dacia grinsen und ihn für einen Billigheimer halten, aber der Motorraum ist von unten ordentlich gegen Marder und Steinschläge verkleidet worden und auch die verwendeten Schrauben sind von guter Qualität. Nicht zuletzt hat die Originalbatterie mehr als 7 Jahre durchgehalten!
Des Spezialwerkzeugs beraubt, ackern wir nun abwechselnd mit der Ratsche ohne passende Nuss an der vermaledeiten Befestigungsschraube herum. Sie gibt nicht nach, dafür kommt ein gesättigter Mechaniker pfeifend um die Ecke.
"Na, klappt's?" Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass die anderen Beiden nicht weit sind und ihn per Whatsapp minütlich über den Stand der Dinge unterrichtet haben.
Ich suche mit Taschenlampe und Adlerauge den Boden des Motorraums ab, die verflixte Nuss will und will nicht wieder auftauchen. Während Herr Ritter an seinen Computer geht und den Auftrag "Einbau einer Autobatterie" anfertigt.
Gescheitert an einer Nuss und einer Schraube. Erde, tu dich auf und verschlinge mich wie die vermisste, verfluchte dumme Nuss!

Ob sie jemals wieder gefunden wird oder in eine andere Dimension gebeamt wurde & ob Fury jemals wieder einen Pieps von sich gibt, das gibt es im nächsten und letzten Kapitel zu lesen. Vielleicht sogar mit Happy End? ;-)

Liebe Grüße vom
Copinchen (nun auch mit verbessertem Bordwerkzeug)!

Dienstag, 22. August 2017

#Shithappens Vol.I: Nicht unter Strom!

Ich fahre ja schon seit einiger Zeit Auto und hatte auch immer mal mehr, mal weniger störanfällige Modelle. Und Werkstattbesuche sind selten angenehm, besonders wenn das Auto, so wie heute, gar keinen Mucks mehr von sich gibt. Nun, jedenfalls ist in diesem Fall die Ursache schnell gefunden: In 9 von 10 Beispielen liegt es an einer sterbenden Autobatterie. Und die muss dann eben ausgewechselt werden. Ein Klacks, werdet ihr jetzt denken. Na, dann lest mal, was sich heute in einer Filiale der Werkstattkette mit 3 Buchstaben irgendwo im Münsterland zugetragen hat!

Prolog: Ich will von der Arbeit nach Hause fahren, steige in mein Auto, drehe den Zündschlüssel und nix passiert. Außer dass das Autoradio beim 7. Versuch frustriert die CD mit den Sommerhits der vergangenen 2 Jahrzehnte ausspuckt. Das ist kein gutes Zeichen.
Kennt man nicht normalerweise das Phänomen nach eiskalten Winternächten, dass die Batterie streikt und der zündende Funke einfach nicht überspringen will? Wir haben August! Aber gut, dieser Sommer war ja auch nicht so richtig Sommer, woher soll die Batterie dann wissen, welche Jahreszeit wir gerade haben.
Nach einigem Herumgefrage im Betrieb habe ich endlich jemanden aufgetrieben, der mir mit Starthilfekabel plus eigenem Fahrzeug ritterlich zur Seite steht. Verschiedene Anschiebe- und Anrollversuche endeten fruchtlos.
Interessanterweise haben die wenigsten Autofahrer - meine Person inklusive - ein Starthilfekabel dabei und selbst im Betrieb - der immerhin auch Logistik umfasst - ist keins aufzutreiben. Nur eine Kollegin hat tatsächlich eines mit - juhuuu! Und so gibt es eine Infusion von Batterie zu Batterie und der brave Fury (Name meines Autos) startet wieder. Auf zur nächsten Werkstatt, die auch Batterien im Sortiment hat - in diesem Fall besagte Werkstattkettenfiliale. Dort habe ich in der Vergangenheit meistens ziemlich gute Erfahrungen gemacht, man war hilfsbereit, höflich und machte auch schon mal beinahe Unmögliches möglich.
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Kapitel I: Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Ein altes Autofahrersprichwort lautet: Der Begriff "Auto" steht vorne für "Autsch" und hinten für "Toier". Und genau daran denke ich, als der junge Verkäufer in der Ladenfiliale mich zu dem Regal mit den Batterien geleitet: Au man, die sind ja in den letzten 7 Jahren nicht unbedingt billiger geworden! Denn so lange brauchte ich keine mehr erwerben, weil die Werksbatterie von Fury so lange schon durchgehalten hat! Nun, dann ist sie aber wirklich jetzt langsam mal am Ende, denke ich und raus damit, bevor der Winter mit seinen knallharten Frostnächten kommt.
Übrigens: Immerhin hat Fury mich nicht frühorgens auf dem Weg zur Arbeit hin im Stich gelassen, denn um halb sieben frühs sind erfahrungsgemäß die wenigsten hilfsbereiten Ritter der Landstraße unterwegs, um Starthilfe zu leisten oder anzuschieben. Das rechne ich dem blitzeblauen Kleinwagen hoch an!
Der Ritter der Ladenfiliale - ich nenne ihn mal der Einfachheit halber "Herr Ritter" - ist jedenfalls jetzt, um halb eins mittags, ziemlich ausgeschlafen und diensteifrig. Sehr schön, sehr schön. Immerhin sieht er recht schnell ein, dass ich, wenn ich einen Wagen der Marke, die kein Statussymbol sein will, fahre, keine Batterie mit Turbokaltstartdings und Marke "Varta Volkssturm" für an die 350, - € erwerben möchte. Die anderen tun's genauso gut und sind mit rund 95,-€ für "mal eben" auch noch reichlich genug bezahlt, finde ich.
Die Suche nach dem richtigen Exemplar, das auch in Furys Bauch reinpasst, gestaltet sich ebenfalls nochmal interessant, gelinde ausgedrückt. Der Fachverkäufer Herr Ritter verpasst mir doch tatsächlich eine, die "falschrum" ist, was ich bei genauerem Vergleich face to face unter der Motorhaube direkt moniere. Immerhin war das Verkaufsgespräch recht witzig, so dass Herr Ritter keinesfalls genervt reagiert, sondern sich sofort um Ersatz bemüht. Der muss papierreich umgetauscht werden, aber dann bin ich stolze Besitzerin einer brandneuen Batterie mit 2 Jahren Garantie. Übrigens wird jetzt auch Pfand auf Rückgabe berechnet, stolze 7, 50 € immerhin. Die berappe ich auch noch.
So, und nun: Mittagspause in der Werkstatt!'ne Dreiviertelstunde sind die Mechaniker zu Tisch. Ich frage, ob der Einbau - wie gewohnt - zum Service dazugehört und höre zu meinem großen Erstaunen: "Nee, da müssen wir 'nen Auftrag für machen."
"Nee, ne? " erwidere ich. "Das gehörte aber mal beim Batteriekauf in Ihrer Filiale dazu." Finstrer Blick vom offensichtlichen Geschäftsführer, der den Kopf schüttelt. "Schon lange nicht mehr", knurrt er. Huch. Gerade bereue ich zum ersten Mal, dass ich nicht zu meiner Hauswerkstatt am Wohnort gefahren bin. Und nicht zum letzten Mal, wie sich herausstellen sollte. Aber das lest ihr in Kapitel 2 beim nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Liebe Grüße vom
nicht batteriebetriebenen
Copinchen! :-)



Mittwoch, 16. August 2017

Mäxchen bloggt: Wetterkapriolen

Hallo, liebe Freunde des gepflegten Gewitterschauers, ich bins mal wieder, euer Mäxchen! Und oh, es ist ja kaum auszuhalten. Was ist das für ein Sommer 2017?

Der Große Tollpatsch ist nur noch am Maulen: Früher war mehr Gras auf den Weiden, und immer gibt's Gewitter und die Stechbremsen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Im Moment sind sie nur noch eins: Nämlich weg! HURRAA! Ersatzweise haben sie uns ihre kleinen Verwandten geschickt, die sogenannten Wadenbeißer. ReiterInnen, die jemals Anfang/Mitte August mit kurzen Hosen auf einer Koppel oder einem Reitplatz gestanden haben, wissen sehr gut, welche Spezies der Gattung "Nervinsekten" ich meine. Die, die so harmlos tun wie eine Stubenfliege und zubeißen wie eine ausgewachsene Tarantel! Und wegen diesen kleinen Mistdingern ist Romi auch nur noch am granteln. "Die hats doch früher hier nicht gegeben und wenn, dann waren die nicht so aggressiv und der Klimawandel ist schuld und die Kontinentalverschiebungen und die drohende Polkappenumkehr. Und Einstein hatte sowas von recht!" zeterte er neulich durch den Mehrzweckstall. Huch, nicht dass ich dem Arabowestfalen ein gewisses Bildungsniveau nicht zutrauen würde, aber ich dachte immer, sein gefährliches Halbwissen beschränkt sich auf Schulterherein, Kurzkehrtwendungen mit Gradzahlberechnung meinetwegen und das Unterscheiden verschiedenster Kreuz-, Schenkel- und Zügelhilfen. Donnerwetter, Romi hat anscheinend einen Bachelor in Quantenphysik!
Nunja, am Samstag war dann der Tiefpunkt erreicht. Nicht des Sonnen- oder Mondstandes, sondern der mentalen Verfassung des Großen Tollpatschphysikers. Grundgütiger Shettygott, was hat der geflucht! Selbst die in dieser Hinsicht mit allen Wassern gewaschenen Meerschweinchen sind da noch rot geworden und die eigentlich sehr selbstbewusste Stallkatze Luzie hat sich eingeschüchtert in der Sattelkammer versteckt.
Der HAT aber auch gebrüllt.
Man darf es gar keinem erzählen!
Er hat nämlich gar bitterlich GEFROREN und das im August. Und er ist pitschnass geworden, Das führte zu einem der größten Frustattacken unter mitteleuropäischen Freizeitpferden, die der Mond je erlebt hat.
Zornige Bocksprünge begleiteten das Schimpfworte-Inferno, wildes Hufeaufstampfen und Schnauben aus blutrot leuchtenden Nüstern.
Zum guten Schluss dieses Wutausbruchs klagte er dann auch noch über Rückenschmerzen, weil er sich bei einem der wilden Bocksprünge in Form einer fast schulmäßig ausgeführten Kapriole anscheinend einen Wirbel verrenkt hatte. Tja, wir werden ja alle nicht jünger, ne?
Liebe Freunde des zwar usseligen, aber doch einigermaßen vernünftig und rational denkenden Shetlandponys, mal Hand aufs Herz. Habt ihr schon mal sowas von einem eurer knuffigen kleinen Freunde erlebt oder erzählt bekommen?
Wahrscheinlich nicht. Denn wir verschwenden unsere Energie nicht so leichtfertig. Es können ja schlechte Zeiten kommen, wo jedes Gramm mühsam angefuttertes Körperfett dringend benötigt wird! Und deshalb wird gehortet und gespart, was das Zeug hält! :-)
Romi kann noch so eine Blitzbirne sein, dieses Prinzip hat er nicht verstanden. Wie auch, er hat ja auch keine Verwandtschaft auf den klimamäßig nicht allzu verwöhnten Shetlandinseln, ne? Seine Kumpels aus dem Araboclub schicken nur Mails mit Wüste bei um die 40 ° C und mal ehrlich, hier im Westfälischen wurden zwar noch keine Bananen angebaut, aber selbst bei strengem Winterfrost macht sich der gemeine Shetländer hier noch nicht mal den obersten Fellknopf zu.
Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass Mr. Kapriole über einen Hexenschuss klagte und zwar für den Rest des Tages und sein Training aufgrund dieser Tatsache auch ausfallen musste. Die Reiterin hatte das Wegbrechen seines Rückens beim bloßen Kontakt mit der weichen Kardätsche richtig gedeutet und den Sattel wieder weggehängt. Und ich hatte ihn dann doch den ganzen Vormittag an der Hinterbacke!
Naja, wenigstens gab's Möhren. Sogar noch extra welche zum Trösten für Romi. Man muss auch mal zufrieden sein, ne?

Es grüßt euch
euer Mäxchen - examinierter Kernphysikerpfleger im Praktikum! :-)



Montag, 7. August 2017

Endlich Urlaub Vol. IV: Auf der richtigen Fährte!

Kennt ihr das, wenn ihr euch am Urlaubsort zwar pudelwohl fühlt, aber das Gefühl habt, es fehlt noch etwas? Das Highlight sozusagen? Was diesen Urlaub nicht zu einem von vielen werden lässt, sondern zu etwas vollkommen Unvergesslichem?
Ich hatte es gefunden. Es hat zwar ein wenig gedauert, aber dafür war die Wirkung umso beeindruckender.
Zu Anfang dieser kleinen Reihe hatte ich es schon angetriggert: Es lagen Pferdeäppel auf den Wegen und es wurde am Strand geritten. Nicht nur geritten, sondern auch tüchtig galoppiert! Immer wieder sah man fliegende Schweife, wehende Mähnen, hörte den Dreitakt der Hufe, sah den sich immer mehr streckenden, glänzenden Leib der wunderschönen Geschöpfe. Man hörte das zufriedene Schnauben nach einem solchen Galopp, Reiterhände, die an Pferdehälse klopften und sich so für das tolle Erlebnis bedankten. Und dann tänzelten sie weiter, dem nächsten Galopp entgegen.
Das wollte ich auch. Ich war zwar eine Reitschülerin zu diesem Zeitpunkt und eventuell noch nicht mal die Allerbegabteste auf Erden, aber eine solche Runde mit einem braven Pferd traute ich mir schon zu.
Ich nahm immer wieder die Hunde mit an den Strand und folgte etlichen Hufspuren, die sich aber immer wieder in den sandigen Dünen verloren. Die Hunde waren auch nicht die allergrößte Hilfe bei der Pferdesuche: Dolly folgte eher den Losungen der Dünenkaninchen und Axel hielt es für unter seiner Würde, anhand eines Haufen Pferdeäppel auf die Suche nach dem Verursacher zu gehen. Und Pinki, na, die wollte erst gar nicht mit uns kommen und blieb lieber in der Nähe von Oma.
Ich lief, soweit ich konnte und kam über einen Punkt nicht hinaus, denn in den Dünen sah alles irgendwie ähnlich aus und ich hatte mich auch schon ein paarmal verlaufen und stand dann im Nachbarort. Des Dänischen war ich nicht mächtig und mein Schulenglisch auszupacken, traute ich mich nicht. Dolly quäkte und zerrte an der Leine, denn sie hatte wohl eine besonders heisse Fährte eines Karnickels aufgetan (Freilauf gab es für Dolly nur frühmorgens) und ich gab dem Ziehen nach und wir folgten der Fährte. Axel stets artig bei Fuss und eine wühlende Dolly, der es nicht schnell genug gehen konnte, wir waren ein Anblick für die Götter. Und die hatte eine enorme Kraft zugelegt, seitdem sie sich einigermaßen erholt hatte!
Gedankenverloren folgten wir also nun Dolly und den Karnickelspuren, doch plötzlich blieb ich stehen und blickte nach oben.
Ich stand genau vor einem Schild, auf dem stand: "Sadel heste - Horse Riding" mit einem echten Hufeisen daneben und ein Pfeil, der auf einen Dünenpfad wies, den wir noch nicht erkundet hatten. Na klar! Da hinten lag wieder ein Haufen Äppel und frische Spuren gab es dort auch!
Ich brachte Dolly dazu, nun wieder mir zu folgen und nicht umgekehrt, was etwas Überzeugungsarbeit bedeutete und schließlich ging es auf ein Gebäude zu. Von weitem hörte man das Schnauben, Wiehern und Klockklock, klockklock schon. Ich hatte sie endlich gefunden!
"Danke, Dolly!" rief ich der verdutzten Schäferhündin zu, schließlich war es ihrem Ungestüm zu verdanken, dass wir überhaupt in diese Richtung gelaufen waren. Und es war goldrichtig!
Strahlend betrachtete ich vereinzelte Pferde auf ihrer Koppel, die grasten. So wunderschön in der untergehenden Sonne! So zufrieden schauten sie aus, es mussten ungefähr 20 an der Zahl gewesen sein. Und eine kleine Gruppe von Reitern, allerdings jetzt am Boden, die sie für die Nacht versorgten. Ich setzte mich auf einen Sandhügel, Axel und Dolly nahmen neben mir Platz und versank in den Zauber dieser Szene. Füchse, Schimmel, Braune, Schecken sah ich und so ungezäumt und ins Grasen versunken waren sie beinahe noch schöner als im fliegenden Galopp am Strand!
Ich weiss nicht, wie lange wir so da saßen, aber Dollys Fiepen veranlasste mich, auf die Uhr zu schauen. Du meine Güte, schon SO spät! Oma wartete wohl schon seit 2 Stunden mit dem Abendbrot auf uns, und Oma hasste Unpünktlichkeit. So schnell wie möglich trabten wir den ganzen Weg zurück, nicht ohne eine Markierung seitlich am Pfad zu hinterlassen. Damit wir das Paradies auch wiederfinden würden!

Ob ich nun hungrig ins Bett musste, ob Dolly den Weg zur Pferdekoppel wiederfinden würde und ob es tatsächlich mit dem Reiten klappt, das alles gibt es im nächsten Teil von "Endlich Urlaub mit dem Familienzoo!"
Liebe Grüße vom
Copinchen! :-)


Mittwoch, 2. August 2017

Endlich Urlaub Vol. III – Morgens um halb 5 ist die Welt noch in Ordnung!

Kennt ihr das, wenn ihr in einer völlig ungewohnten Umgebung wach werdet und erstmal sortieren müsst, wie ihr dorthin gekommen seid? Und warum?
Anscheinend erging es den Tieren ganz ähnlich, denn Hündin Dolly stand auf einmal Nase an Nase mit mir in dem Schlafzimmerchen des kleinen Ferienhauses, in dem ich die untere Etage des praktischen mehrstöckigen Bettes belegt hatte. Sie schien sehr in Sorge zu sein, dass wir ihr Futter vergessen haben könnten, denn sie fiepte und schleckte sich ein paarmal um die Lefzen.
 Ihr eigentliches „Herrchen“, mein Bruder, lag im oberen Bett und schlief noch tief und fest und Dolly war anscheinend happy, wenigstens mich gefunden zu haben. Mein Rüde Axel stand derweil in der Zimmertür, die Dolly wie auch immer geöffnet hatte und schaute missbilligend auf seine aufdringliche Gefährtin. Nie im Leben hätte er selber es sich erlaubt, einfach an ein Bett zu treten und auf seine Fütterung zu bestehen! Axel hatte eine hervorragende Erziehung genossen, und wie (fast) jeder Vertreter seiner Rasse war er sehr pflichtbewusst und stets zu Diensten. Dolly bildete in dieser Hinsicht offensichtlich eine große Ausnahme, denn sie trug wohl die äußerlichen charakteristischen Rassemerkmale eines Deutschen Schäferhundes, besaß sogar hervorragende, beglaubigte Papiere mit mehreren Bundessiegern im Stammbaum. Vom Betragen her war sie aber eher das komplette Gegenteil von Axel, der – so bildete ich mir jedenfalls ein – immer wieder mißbilligend eine Augenbraue hochzog, wenn die Hündin wieder einmal gegen seine fest verankerten Statuten verstieß.

Axel – man erinnere sich, meine Oma fand ihn im Tierheim so toll, dass sie ihn sofort für mich adoptierte – war nicht nur äußerlich eine Augenweide von einem Schäfi, er besaß auch die nötige Contenance, um als Familienhund auch in Gesellschaft nur positiv aufzufallen. Axel zog bei Spaziergängen nicht an der Leine, sondern „fragte“ gewissermaßen nach, ob er hier und da mal stehenbleiben und schnuppern durfte, wenn eine Stelle am Weg ihn besonders in die Nase stach. Axel wartete vornehm, bis er sein Futter vor der Nase stehen hatte, und erst wenn man ihm quasi erlaubt hatte, seine Schnauze in den Napf zu stecken, nahm er die Nahrung zu sich. Er fraß auch niemals alles auf einmal auf, sondern dosierte sich selbst sein Futter – was ihm oft genug zum Verhängnis wurde, wenn Dolly noch Hunger auf einen Nachschlag hatte. Mit der Zeit fraß Axel schließlich doch immer alles auf einmal auf. Allerdings wäre ihm nie eingefallen, Dolly wegen ihrer Verfressenheit zu maßregeln. Das war nicht seine Aufgabe, das wusste er genau. Ich glaube, Axel fand Dolly in den Anfangszeiten ziemlich unmöglich und wirkte gar ein wenig oberlehrerhaft und arrogant, wenn sie etwas angestellt hatte (und oh, sie hatte eine Menge angestellt!) aber mit der Zeit entdeckte er sein Herz für die arme, mißhandelte Hündin und später wurden sie geradezu unzertrennlich. Was aber nicht heisst, dass Axel nun alles toll fand, was Dolly so machte! So wie heute morgen zum Beispiel.

Kaum öffnete ich ein Auge, schon fühlte ich Dollys Zunge auf meiner Nasenspitze. Hmpf. Endlich mal Ferien und dann kann man noch nicht mal ausschlafen. Mein Blick fiel auf den Reisewecker: Halb fünf!
Draußen war es aber schon hell, die Sonne arbeitete sich gerade durch die Dünen am Horizont hoch. Verschlafen stand ich auf, öffnete die Terrassentüre und trat ins Freie. Diese Stille, diese Ruhe, in der Ferne das Meeresrauschen. Herrlich.
Dolly trat ebenfalls nach draußen. Plötzlich wurde ihr Blick starr, sie lauschte mit ihren Riesenohren in den Ferne und ZACK! - weg war sie! Nur ein paar Sekunden später erblickte ich sie im gestreckten Galopp durch die Dünen rennend, schon in einiger Entfernung. Mittlerweile hatte Axel ihre Position neben mir eingenommen und beinahe schien es, als würde er den Kopf schütteln. Diese Göre! Schien er zu denken, denn schließlich war Axel schon 9 Jahre alt und Dolly erst 3.
„Axel, los, wir müssen sie wieder einfangen! Wenn die wieder was anstellt! Du kennst sie doch!“
Ein wenig panisch war ich schon, als ich sie so hin- und herrennen sah im goldenen Sonnenlicht. Sie schien die zahlreichen Dünenkaninchen zu verfolgen. Auch zu Hause machte sie immer mal wieder mit ihren Jagdhundeskapaden von sich reden. Sie rannte dann einfach los, in den Wald hinein und kümmerte sich nicht um unser Hinterherbrüllen oder gar Verfolgen! Die war einfach weg! Irgendwann, nach einer halben oder auch 2 Stunden, tauchte sie dann wieder an dem Punkt auf, wo sie weggelaufen war, erschöpft, schwer hechelnd, zerkratzt und voller kleiner Ästchen und Dornen überall und ließ sich einfach neben Axel auf die Seite fallen. Erschöpft zwar, aber anscheinend glücklich...
Leider konnten wir ihr daheim diese Ausflüge nicht erlauben, deshalb blieb sie im Wald konsequent an der Leine. Aber hier..... es schien ja niemanden zu stören um diese Uhrzeit, oder...?
Axel fand es zwar nicht richtig, sie einfach laufen zu lassen, war aber - ebenso wie ich – noch nicht ausgeschlafen genug, um die Verfolgung der blitzschnellen Hündin aufzunehmen. Und wir wussten ja beide, dass sie wieder zurückkehren würde. Morgens um halb fünf ist die Welt ja immerhin noch in Ordnung, oder?
„Axel, lass sie mal“, sagte ich zu dem immer noch unruhig hin- und hermarschierenden Rüden. „Die kommt doch wieder.“
Axel legte besorgt die Stirn in Falten, wie nur Schäferhunde das können. Und vielleicht noch Bassets. „Das ist gegen die Regeln!“ schien er zu sagen. „Verboten!“
„Wir sind doch im Urlaub. Zuhause ist es wieder verboten, ok?“ beruhigte ich den Ordnungsfanatiker.
Dafür würde mir Markus Rüttger, der Hundeprofi, zwar ziemlich die Ohren langziehen, aber hey, ich war ja immerhin selber erst 13 Jahre alt. Ich hatte sozusagen wohl noch Welpenschutz.
So saßen Axel und ich in der phantastisch aufgehenden Morgensonne draußen, betrachteten die sich wunderbar verändernden Farben und vergaßen dabei Gott & die Welt, die Familie und auch Dolly. Doch plötzlich kam etwas Dunkles auf uns zugerannt, mit schlappernder Zunge, schwer hechelnd, zerkratzt und überall mit kleinen Zweigen und Kletten übersät, und ließ sich einfach neben Axel auf die Seite fallen. Schnell hoben und senkten sich ihre leider immer noch gut sichtbaren Rippen. Ich stand auf und holte eine Schale Wasser für sie. Axel ließ ihr wie immer vornehm den Vortritt und wartete, bis sie erholt genug war, um wieder aufzustehen und zu trinken.


Dieser Moment hat sich so intensiv in mein Gedächtnis eingegraben, dass ich ihn hier unbedingt niederschreiben musste. Es war einer der tollsten Morgenstunden, die ich je erlebt hatte: Allein mit diesen völlig unterschiedlichen Hunden gleicher Rasse, früher als früh, und dazu die faszinierende Natur der dänischen Küste. Noch heute freue ich mich über jeden schönen Sonnenaufgang und denke – wenn es dann endlich golden über die Hügel leuchtet – an meinen Axel und Dolly zurück und an das, was mir beide bedeutet haben.


Morgendliche Grüße vom
Copinchen! :-)


P.S.: Dolly ging von nun an jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe auf Karnickeljagd, war aber für die kleinen braunen Nager zu langsam, denn sie brachte nie ein Beutetier mit. Wahrscheinlich erzählen sich die dänischen Kanichen immer noch kichernd die Legende von dem großen sabbernden Ungetüm mit den Segelohren, dass wohl auf indianisch „Veganer“ genannt würde – das heisst ja übersetzt: „Zu doof zum Jagen!“ ;-)


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